Träger: Jugendhilfe e.V. Lüneburg

                         - Verein für soziale Arbeit und
therapeutische Einrichtungen -

                               Dahlenburger Landstraße 150

                         21337 Lüneburg

 

 

Einrichtung:  Therapeutische Gemeinschaft Dachtmissen

                         Dorfstraße 10

                         21391 Reppenstedt

                         Tel.:       0 41 35 / 82 20 11

                         Fax.:      0 41 35 / 82 20 13

 

 

 

 

Elmar Geiger

 

Kurzdarstellung der Therapie

 in der Therapeutischen

 Gemeinschaft Dachtmissen

Stand Januar 2004

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Inhaltsverzeichnis

 

1. Indikation

 

2. Beschreibunng der Sucht

 

3. Therapieziele

 

4. Die Funktion der Abstinenz als Vorbedingung des

    psychotherapeutischen Ansatzes

 

5. Psychotherapeutischer Ansatz: Zwei Hauptdimensionen

   des therapeutischen Handelns

 

6. EMDR – Traumtherapie

 

7. Ohrakupunktur

 

8. Spezifische Rahmenbedingungen der Drogentherapie

 

9. Die Therapeutische Gemeinschaft Dachtmissen

            9.1. Gewährleistung der Drogenfreiheit

            9.2. Aktivierungsfunktion der Therapeutischen Gemeinschaft

            9.3. Auslöserfunktion der Therapeutischen Gemeinschaft

            9.4. Bindungsfähigkeit der Theraputischen Gemeinschaft

 

10. Therapieverlauf

 

11. Besonderheiten

            11.1. Therapie für Abhängige mit Kindern

            11.2. Gruppenzusammensetzung

            11.3. Rückfälle – Rückfallgruppe

            11.4. Migranten

 

 

12. Therapieergebnisse von 1997 bis 1999

            12.1. Vorbemerkung

            12.2. Bindungsfähigkeit der Einrichtung – Abbruchquote

            12.3. Therapieerfolg

            12.4. Stand der beruflichen Rehabilitation

12.5    Erhebungen der TG Dachtmissen zu Hepatitis C

12.6    Methadonvorerfahrungen

 

13. Einrichtungsdaten

            13.1. Die Therapeutische Gemeinschaft Dachtmissen

            13.2. Mitarbeiter

            13.3. Schuldenberatung

            13.4. Leistungsträger

                                                                                                                                                                    

 

 

 

Anhang:

Literaturverzeichnis

Wochenpläne

Adressen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

1. Indikation

 

Zur Darstellung einer Drogentherapie stehen die Charakteristika der Klienten *) im Vordergrund, die sie behandeln will. Dazu gehört zuallererst die allgemeine Diagnose: drogenabhängig, fast immer polytoxikoman. Bei der Beschreibung der Persönlichkeit des Drogenabhängigen sind viele Merkmale zu berücksichtigen. Eine Möglichkeit ist die folgende Zusammenstellung:

 

Drogenabhängige vor Beginn einer stationären Therapie sind:

 

·          körperlich und psychisch von Drogen abhängig;

·         geprägt durch länger dauernde traumatisierende Konstellationen in der  Lebensgeschichte;

·         durch ungünstige Sozialisationsbedingungen benachteiligt, sodass weitere psychische Defizite bestehen und die Traumataüberwindung unzureichend bleibt;

·         Früheinsteiger mit "weichen" Drogen, meistens schon vor der Pubertät, vor allem mit Alkohol und Nikotin;

·         Nichteinsteiger oder Abbrecher in Bezug auf Ausbildung und Beruf, da meistens abgeschlossene Ausbildungen nicht vorliegen;

·         randgruppenfixiert mit wenig gesellschaftsintegrierenden Kontakten, auch bedingt durch die Radikalität der Drogenbeschaffung;

·         wegen der Drogenkarriere zusätzlich belastet durch Schulden, Erfahrungen mit Prostitution, Gefängnis, Obdachlosigkeit etc.;

·         oft nicht freiwillig in die Therapie gegangen und stehen unter dem Druck der Justiz (Therapieauflage, Haftverschonung, ausstehende Verfahren);

·         zu Beginn der Therapie dauernd abbruch- und rückfallgefährdet, weil der medizinische Entzug, der vorher durchgeführt wurde, die psychische Abhängigkeit nicht beseitigt;

·         körperlich und psychisch nicht belastbar, d.h. auch nicht arbeits- oder ausbildungsfähig und

·         leiden unter weiteren psychischen Störungen. Es liegen oft Doppeldiagnosen vor, wie Bulimie, Migräne und (seltener) das "Borderline"-Syndrom. Hinzu kommen in drei viertel der Fälle mindestens eine Hepatitis-Variante und seit dem Einsatz von Methadon vermehrt epileptische Anfälle.

 

 

 
Diese Merkmale sind miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Das Hauptmerkmal bildet die Sucht, d.h. die körperliche und psychische Abhängigkeit, aus der heraus vieles resultiert und erklärbar wird. Die Diagnose „polytoxikoman“, sinngemäß zu übersetzen mit  „mehrfachabhängig“, bedeutet Konsum verschiedener Drogen oder psychotroper Substanzen. Jedoch lässt sich nach mehrjähriger Abhängigkeit eine Struktur feststellen: So sind die Drogenabhängigen am Ende einer Drogenkarriere in den meisten Fällen bei einer Heroinabhängigkeit angelangt, obwohl lange Kokain, LSD, Ecstasy, Rohypnol, Methadon und Alkohol konsumiert wurden. Die Einnahme von Heroin hat dann den Charakter einer Selbstmedikation, um die Nebenwirkungen der anderen Drogen zu mildern. Damit soll beispielsweise die mentale Überdrehtheit oder die Paranoia des Kokain-LSD- oder Ecstasy-Konsums unterdrückt werden. Oder Heroin wird eingesetzt, um die Folgen des Konsums verschiedenster Medikamente, Psychopharmaka und  des Alkohols in Verbindung mit der Methadoneinnahme zu mildern, da viele Abhängige die tägliche Zeitspanne bis zur legalen Einnahme von Methadon mit exzessivem Alkoholkonsum überbrücken. Wenn Heroin nicht injiziert wurde, wurde es dann wenigstens geraucht (d.h. auf einer Metallfolie verbrannt und der Rauch inhaliert), wodurch natürlich dieselbe Abhängigkeit entsteht. In diesen Fällen stehen die Abhängigen kurz vor der Benutzung der Injektionsspritze, weil die finanziellen Mittel für das Rauchen nicht mehr ausreichen. Diese Anmerkung soll die Struktur der Abhängigkeit, die in die Therapeutische Gemeinschaft kommen, verdeutlichen und zwar in dem Sinne, dass die Entwicklung einer Drogenkarriere trotz des Gebrauchs verschiedenster Drogen meist auch in eine körperliche Abhängigkeit führt, die mit auf  einer Opiatabhängigkeit beruht. Das gilt auf jeden Fall für die in unserer Therapeutischen Gemeinschaft behandelten Drogenabhängigen.

 

 

2. Beschreibung der Sucht

 

Sucht bedeutet zunächst das Verlangen nach einem bestimmten psychischen Zustand, wie er nur durch eine oder die Kombination von mehreren Drogen herbeigeführt werden kann. Gemeinhin gilt dies als die Erklärung der Sucht. Insofern  kann von einer Sehnsucht nach einem bestimmten Zustand gesprochen werden, den man durch den Konsum einer Droge kennen gelernt hat und der eben durch die Außergewöhnlichkeit dieses Erlebnisses besticht. Das ist der Aspekt des Verlangens und der Sehnsucht nach einer besonderen Erfahrung. Sicherlich kann Heroin besondere Zustände herbeiführen, von denen dann der Konsument abhängig wird. Wie dieser Zustand erlebt wird, hängt aber auch von dem persönlichen Hintergrund zum Zeitpunkt der Einnahme ab. Die Gestalttherapie, eines der bei uns verwandten Verfahren, und die Gestaltpsychologie sind bei der Beschreibung der Drogenwirkung hilfreich, denn sie weisen darauf hin, dass Wahrnehmung immer auch ein Akt der Strukturierung in eine Figur und einen Hintergrund darstellt. Das bedeutet, wie etwas wahrgenommen wird, steht immer in Beziehung zu einem Hintergrund. Oder: Jede Wahrnehmung steht in einem Zusammenhang. Wie also die süchtige Person eine Drogenwirkung erlebt und wie stark ihre Sehnsucht danach sich entwickelt, muss im Zusammenhang mit ihrem sonstigen Leben gesehen werden. Deshalb hat eine Droge nicht nur eine objektive Wirkung, sondern auch eine subjektive. Sicher vermitteln Opiate oder Kokain außergewöhnliche Erfahrungen, das ist „objektiv“ so. Aber es gibt genügend andere, nichtdrogeninduzierte Erfahrungsmöglichkeiten auf diesem Planeten, um auch ohne Drogen leben zu können, und das macht die „subjektive“ Bedeutung der Erlebnisalternative „Droge“ aus. Der persönliche Hintergrund entscheidet mit über die Qualität der Drogenerfahrung und vor dem Hintergrund einer beispielsweise ereignislosen oder belastenden Lebenssituation kann die Droge entsprechend hell leuchten (Bezeichnenderweise berichten nach einer Therapie rückfällige Klienten, dass die Drogenwirkung anders, vor allem wesentlich enttäuschender als vor der Therapie war).

 

 

 
Aber Drogensucht ist mehr als das; sie wird als ein enormer Zwang erlebt. Der Abhängige hat keine andere Wahl, ob er will oder nicht, er muss konsumieren. Er malt sich die Nichtverfügbarkeit der Droge entsprechend aversiv aus und ist rationaler Argumentation nicht zugängig, wie es typischerweise bei Zwängen der Fall ist, wo der Ausführungsimpuls einer Zwangshandlung auch nicht willentlich zu kontrollieren ist. Der Abhängige fühlt sich seiner Sucht ausgeliefert, er kann sie nicht durch sein Denken beeinflussen und er empfindet so diese Nichtbeeinflussbarkeit als persönlichen Kontrollverlust über die Zwangshandlung. Daraus erwächst dann meist eine resignative Grundhaltung ihr gegenüber, die sich gerade bei der Motivation zu einer Therapie destruktiv auswirkt. Natürlich bestehen bei Zwängen auch Ängste  und so spielt als eine weitere Komponente des Zwangs zum Drogenkonsum die Angst vor den Entzugssymptomen sicher eine Rolle. Diese muss unter allen Umständen vermieden werden, woraus sich zum Teil die Radikalität der Drogenbeschaffung speist.

 

Was das Zwangartige ausmacht, ist die Unfähigkeit, die Angst vor dem Entzug  willentlich zu beeinflussen. Der Abhängige ist nicht in der Lage, die Schmerzen der Entzugssymptome distanziert zu beurteilen, d.h. er reagiert nur noch „panisch“ auf sie und das bedeutet, sie müssen unter allen Umständen, also auch zwanghaft, vermieden werden, obwohl der Entzug heutzutage auch ohne große körperliche Schmerzen gestaltet werden kann. Und bei einer rein psychischen Abhängigkeit, wie Kokainsucht, ist es ähnlich: die Nichtverfügbarkeit der Droge löst ebenfalls „panikartige“ Zustände aus, die ein Nachdenken über Alternativen verhindert. Fazit: Der Drogenabhängige kann nicht mit Verlangen oder Entzugssymptomen im Sinne einer Reflexion umgehen. Der Abhängige muss die Droge zu sich nehmen, und darüber kann nicht verhandelt werden; die Droge muss her, koste es, was es wolle, in buchstäblichem Sinne, wider die eigene Vernunft, wohl wissend um die Konsequenzen, außerhalb jeglicher Kontrolle, sie ist alternativlos - das soll mit dem Begriff Zwang ausgedrückt werden.

 

Ein dem Zwang ähnlich subjektiv erlebter Zustand ist die Gier. Sie gehört ebenfalls zum Erleben der Sucht, d.h. die Substanzen müssen zugeführt werden - schnell, hastig, ohne Nachdenken, unbedingt und vor allem ohne „Genuss“.  Das gleicht dann einer Esssucht, bei der die süchtige Person auch nicht das Essen genießt, sondern nur verschlingt. Bei der Gier steht nur noch das Haben-wollen im Vordergrund, nicht mehr der erreichbare Zustand. Wichtig ist die Einnahme, der Besitz, sozusagen der Akt der Einverleibens. Der Süchtige will immer mehr, und wenn er es „hat“, dann muss etwas Neues her. Nach dieser Argumentation reichen Substitution und Orginalstoffabgabe, wie Methadon und Heroin deshalb nicht aus, weil die Gier als eine Komponente der Sucht immer noch vorhanden ist und dadurch der Beigebrauch entsteht. Daher müssen solche Maßnahmen auf jeden Fall wenigstens psychotherapeutisch begleitet werden, um die Gier  bewältigen zu können - was in der Regel natürlich nicht getan wird.  Daher findet der Beigebrauch bei Substitutionsmaßnahmen nicht nur statt, weil der Kick fehlt, wie allerorts mittlerweile berichtet wird, sondern weil die Gier nach immer mehr verlangt.

 

Mit der Beschreibung des subjektiven Erlebens anhand der Kategorien Sehnsucht, Zwang, Angst vor dem Entzug und Gier  soll sie nicht definiert werden, sondern dieser Rückgriff auf Zwang, Gier und Sehnsucht in Verbindung mit der großen Angst vor dem Entzug soll aufzeigen, wie ausgefüllt das Bewusstsein des Drogenabhängigen von Drogengedanken ist. Zwang, Gier, Sehnsucht und Angst sind intensiv erlebte Bewusstseinszustände, die sich der Person sozusagen aufdrängen; da fehlt dann der Raum für distanziertes Nachdenken über das Verlangen mit seinen Konsequenzen.

 

Fasst man Gier, Zwang, Sehnsucht und Angst vor dem Entzug in ihrer psychischen Wirkung zusammen, so kann das Bewusstsein eines Drogenabhängigen als gänzlich ausgefüllt mit „Drogengedanken“, d.h. mit suchtrelevanten Inhalten, beschrieben werden. Er ist sozusagen ein anderer Mensch.

 

3

 
Der Drogenabhängige ist somit eine zutiefst gespaltene Person. Es gibt ihn als nüchternen, körperlich nicht abhängigen Menschen und es gibt ihn als seelisch und körperlich von einer Substanz abhängigen. Und diese beiden Persönlichkeiten sind voneinander getrennt, haben nichts miteinander zu tun, sie haben keinen Kontakt zueinander, außer dass sie wissen, dass es sie gibt. Hier unterscheiden sich Drogenabhängige von anderen pathologisch gespaltenen Persönlichkeiten, wo die Person entweder die eine oder die andere einfach ist, ohne subjektiv eine Ahnung von der anderen zu haben. Es soll hier allerdings nicht eine psychiatrische Diagnostik begonnen werden, denn der Hinweis auf die gespaltene Persönlichkeit ist mehr Metapher als klinische Kategorie.  Vielmehr soll damit verdeutlicht werden, wie unterschiedlich Drogenabhängige sind, wenn sie unter Drogen stehen und wenn nicht.

 

In der Therapie, wenn sie körperlich entzogen sind, schütteln sie in der Regel den Kopf über das, was sie unter Drogeneinwirkung alles getan haben. Sie verstehen sich selbst nicht, können ihre Handlungen nicht nachvollziehen, außer eben dem Bewusstsein, dass sie das getan haben, als sie abhängig waren.

 

Die Persönlichkeitsspaltung hat Brecht am Beispiel eines Alkoholikers in seinem Stück „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ gezeigt. Im Suff schenkt der seinem Knecht alles, ausgenüchtert weiß er nichts davon. Übrigens auch so dargestellt in „Lichter der Großstadt“ mit Charles Chaplin, wo ebenfalls ein Reicher im Suff dem armen Charly viel Geld gibt, ausgenüchtert ihn aber als Dieb verfolgen lässt. Das sind die Bilder, die auf den Drogenabhängigen zutreffen. So gesehen können Abhängige unter Drogen für nicht zurechnungsfähig gehalten werden. Viele Männer sind unter Drogenabhängigkeit Frauen gegenüber gewalttätig, nach der Therapie sind sie in ihren Beziehungen zu Frauen sehr vorsichtig. Abhängige  können täglich stehlen, ohne sich durch den Stress oder Ängste abschrecken zu lassen. Frauen geben sich der Prostitution hin, tun dies nach einem Therapieabbruch wieder, auch wenn sie zuvor in der Therapie zutiefst davon geschockt waren. Mütter lassen ihre Kinder verwahrlosen,  nehmen in der Schwangerschaft weiter Drogen, brechen Therapien ab und lassen ihre Kinder in den Einrichtungen zurück. Es gibt keinen Respekt vor Beziehungen oder Freundschaften. Man lügt, täuscht, verspricht und kann sich nüchtern, nach körperlichem Entzug, kaum oder gar nicht mehr erinnern und vor allem sich selbst kaum noch verstehen.

 

Der Drogenabhängige im Zustand der körperlichen Abhängigkeit ist ein anderer Mensch. Das gilt auch für Drogen, bei denen die körperliche Abhängigkeit nicht deutlich zu beweisen ist, wie eben Kokain oder regelmäßiger ausgiebiger Haschischkonsum, wo die biochemischen Vorgänge noch nicht so klar darstellbar sind wie bei Opiaten. Hier besteht die psychische Abhängigkeit, weil ohne drogeninduziertem Zustand nicht mehr gelebt werden kann und weil eben die Droge ein Bewusstsein herbeiführt, das wiederum eine ganz andere Persönlichkeit darstellt. Daher sind feinsinnige Unterscheidungen zwischen dieser und jener Droge aus der Sichtweise einer Persönlichkeitsspaltung für die Therapiepraxis unerheblich. Das gilt auch für ausgiebigen Haschischkonsum, der natürlich das ganze Motivationssystem einer Person so verändert, dass hier ebenfalls eine  tiefe Persönlichkeitsänderung entsteht.

 

Von der Psychopathologie her betrachtet bestehen neben der eigentlichen Sucht psychische Störungsbilder, die den Psychoneurosen zugeordnet werden. Psychosen sind selten und auch das Borderline-Syndrom nicht so häufig, um in der Konzeption mitberücksichtigt werden zu müssen. Mit Psychoneurotizismus soll vor allem als weiteres herausragendes Merkmal die geringe emotionale Stabilität der Abhängigen angesprochen werden. Positive Gefühle und Stimmungen können schnell umschlagen in negative, depressive oder gereizte Stimmungslagen und dann lang andauern. Eine wichtige Ursache für diese emotionale Labilität beim aktuellen Verhalten und Erleben sind die traumatisierenden, schwer wiegenden Lebensereignisse, weil deren ungenügende Überwindung leicht durch Übertragungen und Assoziationen belastende Erinnerungen an sie wachrufen können. Diese führen  wiederum schnell zu emotionalen Zuständen, die als unerträglich erlebt werden und die euphorisierende oder stimulierende Wirkung der Droge subjektiv als unumgänglich erscheinen lassen.

 

    

 
Eine weitere Facette der emotionalen Labilität stellt die geringe Frustrationstoleranz dar. Sie ist eine starke Neigung, bestimmte Erlebnisse und Ereignisse sehr schnell als unerträglich einzuordnen, keine Handlungsmöglichkeiten zu sehen und dieser Unerträglichkeit nur mit Drogenkonsum entgegenzuwirken. Diese resignative Grundhaltung, die besagt, dass man durch Handeln nichts an seinem Zustand und der Umwelt ändern kann, ist wiederum teilweise verursacht durch die traumatischen Erfahrungen früherer Lebensabschnitte der Klienten. Mit der Bewältigung dieser Erfahrungen sind die Klienten häufig allein gelassen worden, was bei der faktisch vorliegenden Hilflosigkeit von Kindern oder Jugendlichen zu starken Ohnmachts- und Einsamkeitsgefühlen führen musste. Dies bedingt die starke Anbindung an Cliquen, die an Drogen heranführen.

 

Dabei wird sehr früh die Erfahrung gemacht, dass diese massiven und unangenehmen Gefühle durch die Einnahme legaler und illegaler Drogen verändert oder sogar unterdrückt werden können. Im Verlauf der weiteren Entwicklung entsteht so ein komplexes Vermeidungsverhalten, d. h. die Bewältigung unangenehmer Situationen und Erinnerungen geschieht hauptsächlich durch Dämpfen der begleitenden negativen Gefühle mit Drogen.

 

Um nochmals die zweifache Auswirkung traumatisierender Erfahrungen zu verdeutlichen: Sie sind nur unzureichend überwunden worden und beeinflussen das gegenwärtige Erleben zum einen durch ihre leichte Aktualisierung, da es immer wieder Erlebnisse gibt, die als ähnlich empfunden werden (die Psychoanalyse beschreibt dies mit dem Konzept der Übertragung), zum anderen sind die Kinder und Jugendlichen mit diesen Erfahrungen allein gelassen worden, wodurch starke Ohnmachtsgefühle erlebt worden sind, die wiederum eine resignative und depressive Grundhaltung gefördert haben.

 

3. Therapieziele

 

Ziele der Therapie in der Therapeutischen Gemeinschaft Dachtmissen sind:

 

1. Die Drogenabstinenz.

Kontrollierter Umgang mit Drogen als Ziel ist grundsätzlich auszuschließen. Jedoch ist Abstinenz nicht nur das Ziel einer Therapie, sondern auch eine Methode der therapeutischen Tiefung, so etwa der Suchtwahrnehmung. Außerdem dient sie der langfristigen Rückfallvermeidung und gilt auch für die individuellen Einstiegsdrogen, Ausweichdrogen und bisher nie benutzte Suchtmittel. Grundsätzlich wird die Abstinenz von Alkohol und Haschisch angestrebt.

 

2.    Die selbstständige Lebensführung auf Grund beruflicher Tätigkeit.

Da innerhalb des zeitlichen Rahmens der Therapie selten eine Berufsausbildung  abgeschlossen werden kann, muss zumindest eine fundierte Ausbildung  begonnen sein. Ohne eine berufliche Integration ist langfristig eine  Überwindung der Sucht nicht möglich. Arbeitslosigkeit, die damit verbundene Sinnentleerung und Langeweile fördern den erneuten Einstieg in den Drogenkonsum nach einer Therapie. Den gleichen Effekt bewirken falsch gewählte Berufe. Fehlende oder falsche berufliche Rehabilitation ist einer der bedeutendsten langfristig wirkenden Rückfallauslöser.

 

3.    Der Aufbau eines tragenden sozialen Netzes.

 

 

 

 
Soziale Isolation und konkret erfahrene Einsamkeit nach der Entlassung aus der stationären Therapie gehören auch zu den  wichtigsten Auslösern eines dauerhaften Rückfalls. Daher muss der Klient befähigt werden, stützende soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Die Nachsorge muss ihm dabei behilflich sein und solche Kontakte vermitteln können. Da der Akt des Konsums einer harten Droge immer eine Art Rückzug aus dem sozialen Leben darstellt, haben Drogenabhängige die Fähigkeit zu drogenfreien Kontakten verlernt bzw. noch nie erworben. Erschwerend kommt hinzu, dass leider die gesellschaftliche Entwicklung durch eine rapide zunehmende Toleranz gegenüber Drogen gekennzeichnet  ist bzw. es geraten abstinent lebende Menschen fast regelmäßig in Rechtfertigungszwänge. Man kann somit auch von zunehmender Intoleranz gegenüber einer abstinenten Lebensweise sprechen. Um nicht in diese soziale Isolation zu geraten, die labilisierend wirkt, braucht der ehemalige Drogenabhängige ein Netz drogenfreier Kontakte, das ihn stützen kann. Hat er nur drogentolerante Kontakte, wird er langfristig rückfällig.

 

4.    Übernahme gemeinsamer sozialer Verantwortung für ehemalige Klienten

Die gegenseitige Unterstützung nach einer Therapie muss als besonders hilfreich für die Stabilisierung bewertet werden. In der Therapie und in der Nachsorge werden die Klienten an den Selbsthilfegedanken konsequent herangeführt, da in Zeiten der Kürzung öffentlicher Mittel aller Art viel mehr Selbstinitiative gefordert ist als früher - wodurch allerdings der Schaden vieler Kürzungen nicht kompensiert werden kann.

 

4. Die Funktion der Abstinenz als Vorbedingung des psychotherapeutischen Ansatzes

 

Weil der Begriff der Abstinenz oft als primär moralische Kategorie oder Beweis zu hoher Therapeutenansprüche aufgefasst und so Anlass zu vielen Missverständnissen gibt, soll er genauer umschrieben werden.

 

Abstinenz von legalen und illegalen Drogen während und nach der Therapie ist eine Methode des Erkennens der eigenen Sucht. Durch Abstinenz von Drogenkonsum wird die eigene Suchtstruktur subjektiv am besten erfahrbar. Wer sich einer Droge enthält, erfährt erst dann, wie stark seine Abhängigkeit von ihr und wie seine Suchtstruktur beschaffen ist. Dieser Mechanismus ist universell, d.h. er gilt für Suchtkranke und "Gesunde" gleichermaßen. Das Ausmaß einer Sucht wird gemeinhin in der Menge konsumierter Substanzen gesehen, obwohl die Erprobung von Abstinenz viel aufschlussreicher und therapeutisch produktiver ist. Wer als "normaler" Mensch wissen möchte, ob er beispielsweise Probleme mit Alkohol hat, der sollte nicht überlegen, wie viel er trinkt, sondern er sollte einen Selbstversuch durchführen, einige Wochen auf Alkohol verzichten und dann zu registrieren versuchen, was sich in seinem Bewusstsein abspielt. Dann kann er das Ausmaß seiner Sucht erfahren, wie sie sein Denken subtil beeinflusst und seine Gesamtmotivation bestimmt. Diese Prägnanz der Suchterfahrung ist nur während der Abstinenz möglich. Konsumiert man wieder, geht diese Klarheit verloren.

 

    

 

    

 
Abstinenz ist somit eine Methode der Selbst-, genauer gesagt Suchterfahrung, der Selbstexploration und Introspektion. Die Befähigung zur Abstinenz, also zur Symptomunterdrückung, muss aber zunächst durch medizinischen Entzug hergestellt werden, um die massive körperliche Abhängigkeit aufzuheben. Danach besteht die psychische Abhängigkeit von der Droge weiter, doch diese wird nicht so heftig als Zwang erlebt wie die körperliche Abhängigkeit. Zumindest wird der zeitliche Ablauf vom Auftauchen des Verlangens im Bewusstsein, vom Spüren eines Suchtimpulses und von ersten Drogengedanken bis zum Entschluss, eine bestimmte Droge zu konsumieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten, wesentlich gedehnt, d.h. es können Tage dazwischen liegen. Bei bestehender körperlicher Abhängigkeit, beispielsweise von Heroin, vergehen zwischen Nachlassen der Drogenwirkung, damit verbundenem Spüren von Entzugssymptomen und erneuter Drogenbeschaffung nur Stunden. Die Zeitspanne, die nach Aufhebung der körperlichen Abhängigkeit zur Verfügung steht, ist also wesentlich größer und erfordert vor allem psychotherapeutisches Handeln, um die Auslöser des Drogenverlangens zu finden und zu bearbeiten. Das können aktuelle Konflikte sein, aber auch ausgelöste Erinnerungen an traumatische Erfahrungen. Der psychotherapeutische Umgang mit einer solchen Problematik wird später noch geschildert werden. Jedenfalls gewinnt ein Klient auf diese Weise Einblick in seine Suchtdynamik und erfährt auch Möglichkeiten, seine Suchtimpulse zu bewältigen. Das bedeutet, er erfährt nicht mehr nur Ohnmacht seiner Sucht gegenüber, sondern kann ihre psychische Kontrolle entdecken lernen, ein ganz wesentlicher Fortschritt bei einer Sucht. Die ganze Therapie dient nun dazu, diese psychische Dynamik für den Einzelnen erfahrbar, verständlich und beherrschbar zu machen.

 

Nun kann diese Abstinenz vom einzelnen Klienten zu Beginn der Drogentherapie nur durch Selbstkontrolle, Willensanstrengung und äußeren Zwang aufrecht erhalten werden. Deshalb kann am Anfang der Therapie auch von "Symptomunterdrückung" gesprochen werden, da in diesem Stadium das Drogenverlangen eben nur unterdrückt oder von ihm abgelenkt wird. Ziel der Therapie muss aber das weit gehende Auflösen der Konsummotivation oder des Bedürfnisses nach Drogen sein - Selbstbeherrschung allein hat noch nie ausgereicht. Dies ist auch der Grund für den psychotherapeutischen Ansatz, weil dadurch psychische Ursachen der Sucht, ihre tieferen Mechanismen erkannt und behandelt werden und damit eine authentische Motivation zur Abstinenz entsteht.

 

Hinter dieser Zielsetzung verbirgt sich auch die Annahme, wonach Drogenfreiheit tatsächlich ein Bedürfnis einer psychisch stabilen Persönlichkeit ist, und der Drogenabhängige seine eigene Sucht als Defizit erlebt. Für die eingangs beschriebenen Drogenabhängigen gilt dies ganz sicher, weil die Entstehungsbedingungen der Sucht immer mit traumatisierenden Konstellationen zusammenhängen und die Entwicklung in die Sucht einen Versuch darstellt, diese zu bewältigen. Das Symptom der Abhängigkeit ist daher das Ergebnis einer unzulänglichen Traumataverarbeitung und nicht einer freiwilligen Lebensentscheidung oder Ergebnis einer geistigen Umorientierung, die dann mit Wertewandel bezeichnet wird. Sucht bleibt nach diesem hier vorgestellten Ansatz eine psychopathologische Störung, die der Klient ebenso als solche empfindet, vor allem wenn er die Chance erhält, Nüchternheit in einer menschlichen Umgebung zu erleben. Diese Auffassung muss als sehr grundlegend erachtet werden, da sonst die Funktion der Psychotherapie nicht deutlich wird. Durch sie kann das echte Bedürfnis nach Drogenfreiheit wieder erfahrbar gemacht werden. Dies scheint auch bei dem nach Ansicht des Verfassers unreflektierten Umgang mit Ersatzdrogen, die beschönigend als 'Medikamente' bezeichnet werden, und der kontrollierten Freigabe von echten Drogen überhaupt nicht bedacht zu werden. Langfristig geht es also nicht um ein Abstinenztraining, denn dies kann nur  Hilfsmittel und Durchgangsstadium sein, wenngleich zum gegebenen Zeitpunkt genauso berechtigt wie andere therapeutische Interventionen. Unter tiefenpsychologischem Aspekt betrachtet kann von einem Teil der Persönlichkeit ausgegangen werden, der die Drogenfreiheit will und den es psychotherapeutisch so zu stärken gilt, damit die Suchtpersönlichkeit überwunden werden kann.

 

Ein weiterer Grund für die Abstinenz als Therapieziel liegt in ihrer Funktion als Methode der Rückfallprävention. In dem hier vertretenen Konzept wird von der Überzeugung ausgegangen, dass eine abstinente Lebensweise wesentlich leichter aufrechterhalten werden kann als der kontrollierte Umgang mit so genannten weichen Drogen. Ein kontrollierter Umgang mit harten Drogen wird bei dem hier vorgestellten Klientel grundsätzlich ausgeschlossen.

 

 

 
 


5. Psychotherapeutischer Ansatz: Zwei Hauptdimensionen des therapeutischen Handelns

 

Das übergeordnete Ziel des therapeutischen Handelns besteht darin, die ungeheure starke Suchtdynamik, wie sie eingangs beschrieben ist, wesentlich in der Geschwindigkeit ihrer Abläufe zu mildern. Das Zwanghafte, die emotionale Labilität und die daraus entstehende Unfähigkeit zur tieferen Reflexion muss drastisch abgebaut werden, damit nicht jeder Drogengedanke oder jede Frustration des Alltagslebens innerhalb von Stunden im Drogenkonsum endet. Die Fähigkeit, sozusagen seinen suchtgesteuerten Bewusstseinsstrom zu "bremsen" und gedanklich innehalten zu können, sind die grundlegende Voraussetzung, um die Therapieziele zu verwirklichen. Das bedeutet in der Konsequenz, dass eine Heilung im Sinne von "nie wieder Drogengedanken und Drogengier" nicht das Ziel der stationären Therapie sein kann (schon allein aus Gründen der dafür zu kurzen Therapiezeit), sondern die bewusste Beherrschung solcher Impulse bzw. der suchtorientierten Bewusstseinsdynamik.

 

Die Therapie selbst ist einerseits tiefenpsychologisch und andererseits verhaltenstherapeutisch orientiert.

 

Die therapeutischen Methoden, die in der Therapeutischen Gemeinschaft Dachtmissen dazu eingesetzt werden, sind Gestalttherapie und Verhaltenstherapie. Die suchttherapeutische Wirkung des tiefenpsychologisch orientierten Verfahrens der Gestalttherapie besteht in einer eher indirekten und langfristigen Sicherung der Abstinenz. Sie bewirkt eine psychische Stabilisierung, indem sie den Psychoneurotizismus abbaut, der in den traumatisierenden Lebenserfahrungen seinen Ursprung hat. Das Verlangen nach den drogeninduzierten Zuständen ist dann durch neu entwickelte Bewältigungsstrategien stark vermindert, da vor allem stabile emotional positive Stimmungen erreicht werden und frustrierende Erfahrungen besser ertragen werden können. Das langfristige Abstinenzverhalten wird so gesichert, weil die emotionale Labilität herabgesetzt und die Unerträglichkeit aktualisierter negativer Emotionen gelindert ist. Dazu kommt die konstruktive Bewältigung der eigenen Impulsivität und die grundsätzliche Klärung der Motivationslage im Sinne von langfristigen Lebenszielen. Außerdem soll die Erfahrung der Einzel- und Gruppentherapie zu einer Art "Psychohygiene" führen, die darin besteht, sich bei belastenden Erfahrungen konsequent in persönlichen Gesprächen oder im therapeutischen Rahmen zu entlasten.

 

Weil jedoch das symptomatische Drogenkonsumverhalten aus vielen, fast ritualisierten Verhaltensweisen bzw. richtiggehenden Verhaltensketten besteht, die dann in einer Konsumhandlung enden, diese ganzen Verhaltensweisen mit den Ursprüngen der Entwicklung in die Sucht aber nichts zu tun haben, trägt das tiefenpsychologische Herangehen an die biografischen Hintergründe relativ wenig zum aktuellen Abstinenzverhalten bei. Bei dem aktuellen Konsum aber sind diese rituali­sierten, automatisierten Verhaltensabläufe genauso ausschlaggebend. Für diese Verhaltenskomponente der Sucht wird das Regelwerk der Konzeption und das verhaltenstherapeutische Vorgehen angewandt, um Verhaltensketten und Abläufe zu unterbrechen, die in einer Konsumhandlung enden und um damit Antisuchtverhalten aufzubauen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen suchtgesteuerten Denken, das diese Abläufe vorbereitet und in der Fantasie vorwegnimmt. So gehen beispielsweise einem Rückfall entsprechende mentale Szenarien voraus, mit denen ein Klient umzugehen lernen muss, um sie konstruktiv steuern zu können. Dabei werden therapeutische Methoden in Anlehnung an die kognitive Verhaltenstherapie verwandt.

 

     

 
 


6. EMDR - Traumatherapie

 

Trotz der umfangreichen Psychotherapie leiden einige Klienten noch nach längerer Zeit unter einem posttraumatischen Belastungssyndrom. Viele Klienten haben, wie schon erwähnt, Traumen erlitten, vor allem in Form von sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt. Im ICD-10 Verzeichnis unter der Klassifikation F43.1 heißt es dazu: "Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdringenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, flashbacks), Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein  und emotionaler Stumpfheit auftreten." Die Erfahrung zeigt, die weiteren Symptome wie sie im ICD-10 aufgeführt werden und die sich auf die stark gestörte Emotionalität und Motivation der Persönlichkeit beziehen, werden durch die Psychotherapie abgebaut.  Wenn aber, wie bei einigen Klientinnen und Klienten immer wieder die sich plastisch aufdringenden Bilder oder Albträume erhalten geblieben sind, so wird die EMDR –Technik angewandt ("eye movement desensitization and reprocessing“). Der Einrichtungsarzt und die Therapeuten sind darin geschult worden. Diese Technik wurde von Francine Shapiro in den USA entwickelt und erfolgreich vor allem bei Opfern von sexuellem Missbrauch, körperlicher Gewalt und Kriegsveteranen des Vietnam- und Golfskrieges angewandt. F. Shapiro war aufgefallen, dass Augenbewegungen beim Löschen belastender Bilder und Gedanken einen großen Einfluss haben und hat daraufhin diesen Effekt der Augenbewegung auf das Vergessen systematisch erforscht. Das Verfahren wirkt nur dann erfolgreich, wenn visuelle Erinnerungen und Albträume in Verbindung mit dem Trauma vorhanden sind. Mittels Herbeiführen bestimmter Augenbewegungen durch den Therapeuten und gleichzeitigem Vergegenwärtigen der belastenden Bildern, können diese und die sie begleitenden Gedanken dauerhaft gelöscht oder verändert werden. Diese Technik ist allerdings nur dann zu verantworten, wenn sie in eine umfassende Psychotherapie eingebettet ist, denn Traumen und schwerwiegende Erfahrungen  sind sehr komplex und es reicht nicht aus, die visuellen Symptome auszulöschen, ohne die gesamte Emotionalität und das Denken mit einzubeziehen. Bisher wurde EMDR erst in der Adaptionsphase und Nachsorge erfolgreich durch den Einrichtungsarzt angewandt, wenn die Klienten schon sehr stabil sind und mithin über ausführliche psychotherapeutische Erfahrungen verfügen. Mit dem Einsatz des Verfahrens durch die therapeutischen Mitarbeiter im Stammhaus ist jetzt begonnen worden.

 

 

7. Ohrakupunktur

 

Auf Grund der mittlerweile langjährigen Methadonsubstitution hat sich die Entgiftungssituation der aufgenommenen Klienten drastisch verändert. Immer mehr Klienten sind nicht vollständig von Methadon entgiftet und verzeichnen langandauernde Schlafstörungen, Kreislaufprobleme und Konzentrationsstörungen. Um diese langanhaltende Entzugssymptomatik zu behandeln, arbeiten wir mittlerweile unterstützend und erfolgreich mit Ohrakupunktur.

 

Darüber hinaus führt die Ohrakupunktur allgemein zur Aktivierung von Selbstheilungsmechanismen. Daher bieten wir eine regelmäßige akupunkturgestütze Immungruppe an, die zum Ziel hat, die Abwehrkräfte unserer hepatitiserkrankten Klienten zu stärken und den Entzündungsprozessen im Körper entgegen zu wirken.

 

 
 

 

 


8. Spezifische Rahmenbedingungen der Drogentherapie

 

1.             Therapeutische Gemeinschaft als aktivierende und überschaubare Institution.

2.             Leben in einer Gruppe abstinenter Drogenabhängiger als komplex wirkende therapeutische Erfahrung.

3.             Abstinenzprinzip, d.h. kein Konsum legaler und illegaler Drogen während der Therapie.

4.             Drogenreizreduktion zur Verhinderung von Assoziationswirkungen (lernpsychologisch: Konditionierungen) durch Herauslösung aus der bisherigen Umwelt, Trennung von der Szene, Kontrolle der Außenkontakte, und des Medienkonsums etc.

5.      Die Kontinuität der therapeutischen Beziehungen/Bezugstherapeutensystem.

6.             Die fortlaufende Nachsorgegruppe-Sekundärprävention.

7.             Das Prinzip der stufenweise Autonomie.

8.             Klare Trennung von Polizei und Justiz.    

 

 

9. Die Therapeutische Gemeinschaft Dachtmissen

 
9.1. Gewährleistung der Drogenfreiheit

 

Die Therapeutische Gemeinschaft gilt als die klassische Therapieform für Drogenabhängige. Trotzdem wird ihre Funktion oft nicht verstanden. Daher hier ein kurzer Abriss dazu: Die sinnliche Wahrnehmung einer Drogensubstanz, Assoziationswirkungen des Szenemilieus, der bei Konsum benutzten Gegenstände und Örtlichkeiten lösen sehr schnell massive Suchtimpulse aus, sodass nur die radikale Entfernung aus dem Milieu, der Abbruch des realen Kontaktes mit ihm hilft - zumindest bei dem eingangs beschriebenen "Typus" von Drogenabhängigen. Der Nicht-Zugang zur Droge bleibt nach dem Entzug die allerwichtigste Einflussgröße für das Gelingen von Abstinenz bzw. Symptomunterdrückung und damit einer Drogentherapie überhaupt.

 

    

 
Dafür muss aber eine Einrichtung zur Verfügung stehen, die eine Verfügbarkeit von Drogen unterbinden kann, damit also Drogenfreiheit gewährleistet ist, denn Drogen in einer Einrichtung verleiten zu massenhaften Rückfällen. Und sie muss auch als so attraktiv empfunden werden, um rastlose Drogenabhängige zu halten. Das ist nun einer der wichtigsten Beiträge der Therapeutischen Gemeinschaft zur Drogentherapie: Sie stellt die erste stationäre Einrichtung dar, die einen drogenfreien Rahmen schafft. Herkömmliche Kliniken und der Strafvollzug waren und sind nicht in der Lage, Drogenfreiheit zu garantieren, trotz des gewaltigen Kontrollapparates, den sie zur Verfügung hatten und haben - mit ein Grund, warum die Drogentherapie in allen bis zum Entstehen der Therapeutischen Gemeinschaft vorhandenen stationären Einrichtungen versagt hatte. Suchtkranke, die normalerweise jede erdenkliche Gelegenheit nutzen, um an Drogen zu kommen, dafür  sich mit jedem verbünden, der ihnen dabei hilft, fangen an, auf die Drogenfreiheit des Hauses zu achten. Eine funktionierende Gruppe abstinent lebender Abhängiger kann das am besten, wenn sie dazu motiviert ist. In der Therapeutischen Gemeinschaft Dachtmissen z.B. sind die Therapeuten während der Nachtruhe nicht im Haus, d.h. die Gruppe achtet auf sich selbst (es gibt jedoch einen telefonischen Bereitschaftsdienst durch die Therapeuten). Trotzdem kann diese Einrichtung absolut drogenfrei gehalten werden (was viele Experten für unmöglich halten). Rückfälle gibt es nur außerhalb der Einrichtung bzw. nach Abbruch der Therapie.

 

 

9.2. Aktivierungsfunktion der Therapeutischen Gemeinschaft

 

Historisch gesehen hat sich die Therapeutische Gemeinschaft aus einer Lebensgemeinschaft entwickelt, d.h. alle Mitglieder haben zu ihrem Funktionieren und Erhalt beigetragen. In diesen Gemeinschaften mit Drogenabhängigen gab es keine Patienten mehr, die behandelt wurden, sondern handelnde Mitglieder, die trotz ihrer psychischen Beeinträchtigung durch die Sucht wichtig für die Einrichtung waren. Dass die Einrichtungen teilweise oder ganz von ehemaligen Abhängigen, von Ex-Usern geleitet wurden, war in der klinischen Praxis revolutionär. Heute sind trotz Professionalisierung diese Elemente in der Therapeutischen Gemeinschaft erhalten geblieben. Die Klienten sollen all das selbst tun, wozu sie momentan in der Lage sind, aus ihrer suchtbedingten Passivität herausgerissen und aktiviert werden. Ein Mittel der Aktivierung ist die konkrete, gegenwartsbezogene Sinngebung ihres Tuns. Da nun alle für das gemeinsame Leben wichtigen Aufgaben auch gemeinsam bewältigt werden müssen, kann der Einzelne die Auswirkungen seines Handelns anschaulich erleben. Diese Transparenz der Therapeutischen Gemeinschaft stellt einen therapeutischen Wert dar, weil viele Drogenabhängige die Welt als ziemlich undurchschaubar und nicht zu beeinflussen erleben. Nach der heutigen Motivationspsychologie bildet die Einschätzung der eigenen Wirksamkeit einen wesentlichen Motivationsfaktor. Drogenabhängige neigen hier aber auf Grund schon erlebter persönlicher Katastrofen zu pessimistischen Einschätzungen. Das Wiedererleben von Auswirkungen des eigenen Tuns hilft hierbei weiter und ist in einer von den Klienten geführten Einrichtung besonders gut erfahrbar.

 

Die Spannweite der Mitwirkung des Einzelnen reicht vom banalen Putzen über die Haushaltskasse bis hin zur Gruppentherapie, wo gerade die gegenseitigen Rückmeldungen ("feed-backs") therapeutisch enorm wichtig sind. Jeder bekommt Aufgaben, wird dadurch wichtig und erfahrbar, beeinflusst andere und wird durch andere beeinflusst. Erledigt jemand seine Aufgaben schlecht, hat sein Handeln für andere Konsequenzen und er kann das mitbekommen, denn es ist plötzlich nicht egal, wie man etwas ausführt. Für eine von der Sucht geprägte Persönlichkeit eine völlig andere Sichtweise der Welt: sie übernimmt Verantwortung, weil ihre Kompetenz für das Funktionieren der Gemeinschaft gefragt ist. Insofern ist der Klient von Anfang an nicht nur jemand, der verschiedenste Defizite einbringt, sondern jemand, dem Kompetenzen zugeschrieben werden, die für die Selbstorganisation und die Gruppentherapie real wichtig sind. Praktisch erhält jeder Klient von Anfang an Arbeitsbereiche, Verantwortungsbereiche genannt, in denen er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Solch eine Vorgehensweise ist allein schon von der Organisationsstruktur her bei psychiatrischen Kliniken mit ihrer Arbeitsteilung innerhalb des Personals, mit der Rollenverteilung in professionelle Helfer und Versorger auf der einen und  hilfsbedürftigen Kranken auf der anderen Seite nicht durchführbar, und bei den zu behandelnden psychischen Störungen meist auch gar nicht anders zu bewerkstelligen. Die Beteiligung der Drogenabhängigen in Therapeutischen Gemeinschaften auf Grund vorausgesetzter Kompetenzen ist ein neues Element in einer stationären Therapie, weil der Klient eben auch mit seinen Fähigkeiten konkret eine Bedeutung im klinischen Alltag bekommt.

 

 

 
Aber selbst wenn er auf den ersten Blick wenig Kompetenzen und scheinbar nur Defizite mitbringt, so bietet die Therapeutische Gemeinschaft viele Betätigungsfelder, wo auch die verborgenen Talente deutlich werden. Außerdem kann der Abhängige viel lernen und darf dabei viele Fehler machen. Hierbei ist ganz sicher der Weg so wichtig wie das Ziel - die Organisationsstruktur ist flexibel genug, um Fehler der Einzelnen auszugleichen. Die Kompetenzannahme ist auch eine Grundeinstellung der Humanistischen Psychologie, die historisch gesehen, Pate bei der Entwicklung der Therapeutischen Gemeinschaft gestanden haben dürfte. Wie bei ihr, wird auch in der Therapeutischen Gemeinschaft von einem positiven Potenzial der Persönlichkeit ausgegangen, das es zu wecken und zu mobilisieren gilt. Eine der therapeutischen Wirkungen der Therapeutischen Gemeinschaft ist ganz sicher die Mobilisierung persönlicher Kompetenz auf Grund der Selbstorganisation, indem sie sich von vornherein auf die Fähigkeiten ihrer Mitglieder stützt.

 

Untrennbar mit der Therapeutischen Gemeinschaft verbunden ist die Konzeption, denn eine Selbstorganisation braucht fest geregelte Abläufe. Sie ist ein Regelwerk, welches den Klienten erlaubt und ermöglicht, die Einrichtung weitgehend in eigener Regie zu führen. Als Basis der Selbstorganisation stellt sie die Voraussetzung für die eben beschriebenen Effekte einer Therapeutischen Gemeinschaft her. Durch die Konzeption wird Folgendes geregelt:

 

1.     Aufgabenbewältigung:

Was ist zu tun? Wer tut was? Wer teilt ein? Wer kontrolliert? Was geschieht bei mangelhafter Ausführung?

 

2.    Abstinenzsicherung und Gewährleistung der Drogenfreiheit:

Diese Regeln sollen Drogenkontakte verhindern und Drogenreize weitestgehend reduzieren. Darunter fällt die Zensur von Zeitschriften, Fernsehen, Musik und Briefen in Bezug auf Darstellung von Drogenkonsum und Szenemilieu, Drogenverherrlichung und Anstiftung zum Konsum, der Ausschluss bestimmter Örtlichkeiten in der Stadt, aber auch Verhalten beim Verdacht auf Drogen im Haus etc.

 

3.    Regelungen des Therapieverlaufs:

Beinhaltet vor allem die Definition der Lernschritte und des Stufensystems.

 

 

9.3. Auslöserfunktion der Therapeutischen Gemeinschaft

 

Die Therapeutische Gemeinschaft hat natürlich die Funktion einer Gruppentherapie, genauer einer permanenten Gruppentherapie. Ihre gruppentherapeutische Funktion besteht darin, den Einzelnen wieder beziehungsfähig zu machen, ihn aus seiner drogenbedingten Selbstfixierung zu befreien, damit er später in der Lage sein wird, nach der Therapie stützende soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, denn Vereinsamung stellt einen wesentlichen Rückfallfaktor dar. Auch lernt er mit Frustrationen bei Konflikten fertig zu werden, was vor allem später in Ausbildung, Beruf und in Beziehungen enorm wichtig sein wird. Gruppentherapie selbst hat eine Vielzahl von therapeutischen Wirkfaktoren, auf die hier nicht eingegangen werden kann, da sonst diese Darstellung zu umfangreich werden würde. Es muss betont werden, dass die Gruppentherapie in einer Therapeutischen Gemeinschaft die Voraussetzung für die Einzeltherapie darstellt und durch diese nicht ersetzt werden kann.

 

 

 

 

 
Allerdings existiert ein wesentlicher gruppendynamischer Mechanismus, der das therapeutische Potenzial einer Therapeutischen Gemeinschaft ausmacht: die Auslöserfunktion der Therapeutischen Gemeinschaft. Die Therapeutische Gemeinschaft erhält die wichtige Funktion des Auslösers für wesentliche Probleme einer Person, da die Vielzahl der Persönlichkeiten in einer  Therapeutischen Gemeinschaft mit ihren Konflikten untereinander immer wesentliche soziale Konfliktsituationen aus der Vergangenheit aktualisiert, die direkt oder indirekt zu den Ursachen der Suchtentwicklung gehören - wobei die permanente Präsenz der Gruppenmitglieder eine herausragende Rolle spielt, ganz im Gegensatz zu ambulanten Therapiegruppen. Im Alltag können die traumatischen Erlebnisse und massiven Konflikte sehr unkontrolliert hervorgerufen werden. Dazu bedarf es oft nur einfacher, wenngleich verschiedenartigster sinnlicher Assoziationen, wie laute Stimmen, die Statur eines anderen, seine Gesichtszüge oder ein nicht aufgeräumtes Zimmer. Die Stimmung schlägt um, und der Anlass wird meist gar nicht richtig registriert, zumindest aber nicht mitgeteilt. In den ersten Monaten der Therapie führt diese dann vorhandene Anspannung zu erhöhter Konfliktbereitschaft oder Empfindlichkeit, deren eigentlicher Auslöser fast "geheim gehalten" wird. Es entstehen Konflikte mit anderen bzw. der Betreffende wirkt plötzlich sehr bedrückt, hat Drogengedanken oder will gehen. Fragen, was er denn habe, werden abgeblockt. Bei mangelndem therapeutischen Verständnis wird vorschnell ein plausibel scheinender Auslöser "gefunden", oft in Form einer Kommunikationsstörung, weil Person A der Person B nicht richtig zugehört hätte oder in Form eines Informationsdefizites, weil Klienten nicht wussten, wie dies und jenes hätte sein müssen. Nur, es stellt sich schnell heraus, dass trotz Deutung und Analyse die betreffende Person immer noch gereizt oder niedergeschlagen ist und Reden nichts hilft. Manchmal kommt dann eine Diagnose wie "Widerstand" oder "labile Person" hinzu, die das Unverständnis gegenüber dem Betroffenen noch deutlicher werden lässt und zu unnötigen Eskalationen führt. In solch einem Fall unterstellt der psychotherapeutische Ansatz einen aktualisierten Konflikt oder ein Trauma, die nun jeweils therapeutisch angegangen werden müssen.

 

Viel häufiger als solche einfachen Assoziationswirkungen spielen komplexe kognitive Strukturen als Auslöser belastender Erfahrungen eine Rolle. Vor allem ist es der mit dem psychoanalytischen Begriff "Übertragung" bezeichnete Sachverhalt, wonach Klienten auf alle Mitglieder der Gemeinschaft alte Einstellungen und Emotionen übertragen und sich entsprechend verhalten; das gilt besonders in Bezug auf die Mitarbeiter. Gerade dann, wenn bestimmte Reaktionsmuster oder Emotionen auf jemanden sich immer gleichen, kann von Übertragungen ausgegangen werden. Leider sind diese Übertragungen meist negativ, da sie von einer Person herrühren, mit der traumatisierende oder konflikthafte Erlebnisse verbunden werden. Väterlich wirkende Therapeuten bekommen mit Sicherheit negative Vaterübertragungen, mütterliche Therapeutinnen ambivalente Mutterübertragungen. Fast immer werden auf die Gruppe Familien- oder Geschwisterkonstellationen übertragen, aggressive Männer lösen Zuhälterübertragungen aus, bestimmte Gesten erinnern an den Knast etc.. Klienten mit massiven Autoritätsproblemen werden diese mit Sicherheit auf "passende" Mitarbeiter übertragen. Klärt der Klient das nicht - bricht er ab oder hält später keine Lehre durch. Haben sie sehr verwöhnende Mütter, so werden sie auch in der Gemeinschaft permanent versuchen, die Gruppe und die Therapeuten für ihre Aufgaben zu aktivieren, anstatt selber zu handeln. Dies alles muss immer in das psychotherapeutische Kalkül einbezogen sein, denn sonst werden die Lösungen auf der falschen Ebene gesucht und mit Fehldiagnosen gearbeitet. Die Übertragungen wirken nun nicht als neutraler kognitiver Faktor, also als Denkfigur oder Denkschema, der die Interaktion mit der Umwelt immer beeinflusst, sondern sie weisen auf Beziehungsstörungen  zu wichtigen Menschen im Leben der Drogenabhängigen hin und damit auf die Ursprünge der Störung, weil wahrscheinlich alle psychoneurotischen Störungen auch Beziehungsstörungen darstellen, wie viele Therapieansätze betonen. Da alle Klienten negative Erfahrungen mit wesentlichen Beziehungen aus ihrem Leben kennen  (hauptsächlich aus ihren Herkunftsfamilien), neigen sie auch zu negativen Übertragungen.

 

 

 

 

 
Die Problematik solcher Übertragungen liegt in ihrer Wirkung als Wahrnehmungsverzerrung. Dadurch reagiert die übertragende Person nicht mehr adäquat auf den realen Interaktionspartner und die gegenwärtige Situation, sondern als eher passend zu jemandem aus ihrer Biografie. Da es sich dabei in der Regel um konfliktbehaftete Erfahrungen mit Menschen handelt und diese übertragen werden, fallen die entsprechenden Reaktionsweisen meist konfliktprovozierend aus. Überträgt ein Klient viel, so sind seine Verhaltensmuster leider sehr starr, weil sie ja einem anderen gelten als der real vorhandenen Person. Im normalen Leben wirken sich solche Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster sehr hinderlich aus. Sieht ein Klient in allen selbstsicheren Männern autoritäre Väter, dann neigt er dazu, sein altes Verhalten zu wiederholen, und zwar in Form offener oder verdeckter Aggressionen, Provokationen, Boykottverhalten oder Ängsten. So kommt es dann oft zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen, die Interaktion schaukelt sich auf, sodass der Interaktionspartner sich dann tatsächlich autoritär zu verhalten beginnt. Auf der Seite des Klienten endet so etwas oft - eben wie früher - in Drogengedanken und Rückfallgefährdung. Es werden beim Klienten schnell komplexe Reaktionsketten am Ende mit Rückfall ausgelöst, motiviert durch sowieso vorhandene depressive Tendenzen oder Gier nach Drogen, die das Denken nach einer Bestätigung der Unerträglichkeit der Situation und damit zur Rechtfertigung zum erneuten Konsum suchen lässt.

 

Überhaupt sind viele Interaktionen in der Gemeinschaft nur vor diesem Hin­tergrund verständlich. Die Gruppendynamik ist stark von oft brisanten Übertragungen und Assoziationen geprägt. Natürlich ist das ganze Geschehen in einer Gruppe bestimmt von der Eigenart der Personen, die dort aufeinander treffen, vor allem durch die Lebensgeschichte des Einzelnen, und diese Erfahrungen werden in die Gemeinschaft hineinprojiziert oder auf sie übertragen. Diese psychischen Mechanismen werden nun nicht als Störfaktoren betrachtet, die für das Zusammenleben erschwerend sind, sondern als entscheidend für das Gelingen der Therapie, denn sie erfüllen eine Auslösefunktion. Durch den stationären Aufenthalt und die Entfernung aus den gewohnten Lebensumständen besteht die Gefahr des "Aus den Augen, aus dem Sinn", und es könnte ein Ferieneffekt eintreten. Allerdings ist dagegen die Gefahr, wegen therapeutisch nicht aufgegriffener Bezüge zur Vergangenheit abzubrechen, viel größer. Diese so wieder gegenwärtigen Konflikterfahrungen des Einzelnen lassen sich dann in der Einzel- und in der Gruppentherapie lebensnah bearbeiten.

 

Eine weitere, ebenso wichtige Auslösebedingung stellt natürlich das Miterleben des Anderen in einer Gruppentherapiesitzung dar, wenn die Probleme bearbeitet und dabei auch die biografischen Hintergründe deutlich werden, die wiederum viele Gruppenmitglieder kennen und auf diese Weise gruppendynamisch weiterwirken, beispielsweise durch wachsende Vertrautheit untereinander und dadurch größere Bereitschaft, sich selbst noch mehr zu öffnen bzw. sich verstärkt miteinander zu identifizieren. Da nun in der Therapeutischen Gemeinschaft die Gruppenmitglieder nach den Gruppentherapiesitzungen weiter zusammenleben, werden sich solche Effekte hier viel stärker auswirken können als in ambulanten Therapiegruppen.

 

 

9.4. Bindungsfähigkeit der Therapeutischen Gemeinschaft

 

Als letzte noch zu besprechende Funktion sei noch ein äußerst wichtiger psychischer Mechanismus erörtert, wie er sich nur in der Therapeutischen Gemeinschaft voll  ausbilden kann: Die Therapeutische Gemeinschaft ist in der Lage, labile Drogenabhängige durch Identifikation mit ihr zu binden.

 

    

 
Gilt in der ambulanten Therapie für die Beziehung Therapeut/Klient die wahrgenommene Hilfe als eine der entscheidenden Ursachen für eine Bindung, verhält es sich bei der Gruppentherapie wegen der Mentalität Drogenabhängiger anders. Der Aspekt der Hilfewahrnehmung ist nur ein Teil der Vorgänge, die zu Bindungen führen, wobei dieser allerdings mit zunehmender Therapieerfahrung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Etwa für zwei Drittel der Zeit im Stammhaus spielen Identifikationsprozesse die entscheidendere Rolle. Identifikation mit anderen ist ein tiefergehender psychischer Vorgang, der das Verhalten und Erleben einer Person mehr beeinflussbar durch Andere werden lässt als etwa verbale, rationale Überzeugungsarbeit. Es findet bei vorhandener Identifikation Lernen am Modell statt, d.h. das Verhalten und Erleben des Anderen bekommt Modellcharakter und wird leicht übernommen, denn die Bereitschaft dazu ist vorhanden. Voraussetzung zur Identifikation ist die angenommene Ähnlichkeit zwischen mir und meiner Identifikationsperson. Die Drogensucht, die Vergleichbarkeit der Biografien und ähnliche Erlebnisse, die sie nach und nach voneinander erfahren, führen zu empfundenen Gemeinsamkeiten. Deshalb hat eine Gruppe "Junkies" einen großen Einfluss auf einen "Junkie" am Anfang der Therapie, vielleicht mehr als das eigene Denken.

 

Die Übernahme positiver Normen geschieht bei Therapieanfängern primär durch Identifikationsprozesse. Erst im Verlauf der Therapie kommen dann weitere Erkenntnisprozesse zum Tragen, die therapeutisch stabilisierende Überzeugungen reifen lassen, wie die schon erwähnte Wahrnehmung der Hilfe durch Therapeuten. Außerdem wird die eigene autonome Motivation zur Drogenfreiheit immer wichtiger und die identifikatorische Orientierung am Anderen lässt nach. Diese Entwicklung wird noch im Abschnitt über den Therapieverlauf eingehend geschildert werden. Für die Darstellung der Therapeutischen Gemeinschaft ist zunächst festzuhalten, dass Identifikationsprozesse die Bindung an sie fördern und bei der Internalisierung konstruktiver Gruppennormen im stationären Therapieabschnitt, vor allem aber bei Anfängern, eine erhebliche Rolle spielen.

 

Ein weiterer Grund, die Identifikation als bedeutend für die Anfangszeit der Therapie einzustufen, liegt in ihrer Motivationskraft. Während bei anderen Psychotherapiegruppen die Motivation, sich einer Gruppentherapie zu unterziehen, für den Einzelnen klar ist und somit das gemeinsame Interesse an Heilung und Linderung vereint, ist sie bei Drogenabhängigen zumindest zwiespältig, meist aber zunächst erzwungen. Sie wollen durchaus "clean" werden, aber nicht auf eine so mühevolle Weise, wie es eine Therapie zu sein scheint. Daher wirken andere Drogenabhängige, mit denen man sich vergleichen kann, spontan und emotional motivierend. Übrigens gilt dies auch umgekehrt: rückfällige Klienten, mit denen man sich identifiziert hatte, wirken äußerst demotivierend. Von sich aus können sich Therapieanfänger eine Überwindung der Sucht nur sehr schwer vorstellen. Teilweise beruht diese Skepsis einfach aus ihrer Erfahrung mit ihrer Sucht. Da sie ihr immer wieder erlegen waren, wie sollen sie dann aus sich heraus Zuversicht schöpfen? Der schlechte Ruf der Therapie unterstützt natürlich diese resignative Einstellung. Da sie es nicht können, brauchen sie Identifikationspersonen, die stellvertretend für sie Zuversicht und Hoffnung zeigen, zumindest aber weitermachen in Therapie.

 

Als ein Fazit zur Therapeutischen Gemeinschaft kann Folgendes gesagt werden: Sie gewährleistet Drogenfreiheit, setzt trotz der psychischen Störung Sucht bei der persönlichen Kompetenz des Einzelnen an und macht ihr Funktionieren davon abhängig. Die Selbstorganisation ermöglicht die Beweglichkeit und Freiheit, um im Alltag eine therapeutische Atmosphäre durch einen selbstreflektierenden Kommunikationsstil entstehen zu lassen. Verschiedene therapeutische Wirkungen werden so erzielt, wie z.B. Problemaktualisierung, generelle Aktivierung, Leistungsbereitschaft, Erleben der persönlichen Bedeutung, Selbsterfahrung, Beziehungsdichte zwischen den Mitgliedern und Gruppenkohäsion. Gegenseitige Identifikation ermöglicht eine hohe Anbindung und verstärkt die Therapiemotivation entscheidend.

 

 

 
 


10. Therapieverlauf

 

Der therapeutische Prozess ist von seinem Verlauf her auf das Fernziel einer für den Drogenabhängigen attraktiven, drogenfreien Existenz ausgerichtet. Dazu gehören die vier genannten Ziele. Trotz dieser therapeutischen Maßnahmen ist eine völlige "Heilung" von der Sucht, die den Süchtigen wieder der "Normalbevölkerung" gleichstellt, unwahrscheinlich - zumindest über viele Jahre hinweg. Es bleibt für den ehemaligen Süchtigen lange ein, verglichen mit der Normalbevölkerung, größeres Risiko, wenn er mit legalen oder so genannten ungefährlichen (aber illegalen Drogen) in Kontakt kommt. Von daher wird er nie mehr "so sein können", wie vor der Sucht.

 

Über Jahre hinweg muss auch noch Selbstkontrolle ausgeübt werden, um einen Rückfall zu vermeiden, obwohl eine erfolgreiche Therapie die willentliche Kontrolle der Sucht selten notwendig macht, da die Be­wusstseinsinhalte kaum noch drogenorientiert sind und das Gegensuchtverhalten weitgehend automatisiert ist. Die Stabilisierung gelingt umso dauerhafter, wenn die erreichte Lebenssituation als so attraktiv empfunden wird, dass gleichzeitig  auch ihr Verlust durch erneuten Drogenkonsum sofort antizipiert werden kann. Und dies unterscheidet den erfolgreichen Therapieabsolventen vom Einsteiger in die Sucht: Ersterer weiß, was er verlieren würde, letzterer hat nichts zu verlieren, weil seine Lebenssituation für ihn aversiv, d.h. abweisend erlebt wird. Bis die befriedigende Lebenssituation erreicht wird, die nicht mehr aufs Spiel gesetzt werden kann, vergehen gut fünf Jahre, rechnet man vom Beginn der Therapie an. Und darin liegt auch die Aufgabe der Therapie: Sie muss dem Einzelnen helfen, trotz seiner permanent vorhanden psychischen Labilität ein fernes Ziel stetig anzusteuern, das er gar nicht richtig kennt bzw. nur vage antizipiert; eben die attraktive drogenfreie Existenz. Alle therapeutischen Aktivitäten resultieren daraus: die Auseinandersetzung mit den Schmerzen der Vergangenheit, die schnell aktiviert sind, die Eingewöhnung in ein Antisuchtverhalten, die berufliche Rehabilitation, das Leben in einer Therapeutischen Ge­meinschaft, die lange Zeit des therapeutischen Prozesses.

 

Natürlich wird irgendwann das neue Leben so selbstverständlich sein, dass die Rückfallvermeidung als bewusste Intention gar nicht mehr präsent ist. Drogen zu nehmen erscheint dann geradezu als absurd. Aber diese Einstellung reift erst, wenn das "neue" Leben auch dann über Jahre gelebt wird. Für die Therapie bedeutet das eine jahrelange Begleitung und das Anbieten eines "Sicherheitsnetzes", in das der Einzelne auch fallen kann, wenn er auf seinem langen Weg einmal "straucheln" sollte. Das geht aber nur, wenn der therapeutische Prozess nicht zerstückelt wird durch Beziehungsabbrüche, sondern eine Kontinuität von Beziehungen gewährleistet. Vor diesem Hintergrund muss die Konzeption und der sich daraus ergebende Therapieverlauf gesehen werden: Lange therapeutische Beziehungen trotz abnehmender Betreuungsdichte und Leben in einer drogenfreien Gegenkultur. Das Bezugstherapeutensystem trägt die Kontinuität, weil die Therapeuten für die Einzeltherapie nicht gewechselt werden und weil alle Therapeuten alle Therapiephasen betreuen.

 

Der Therapieverlauf kann nicht ohne Weiteres willkürlich beeinflusst werden, weil er in Wechselwirkung mit Klienten-, Therapeuten-, Einrichtungsmerkmalen sowie Therapieverfahren eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Man kann nicht einfach Therapieziele festlegen und davon ausgehen, diese könnten in einem mehr oder weniger kontinuierlichen Prozess verwirklicht werden. Wie die Lernpsychologie zeigt, verlaufen selbst einfache Lernvorgänge wie das Auswendiglernen von Silbenreihen nicht analog einer ansteigenden Gerade in einem Schaubild. Umso komplexer sind die Vorgänge in einem therapeutischen Prozess.

   

 
 


Es wird von einem Phasenmodell des Therapieverlaufs ausgegangen, d.h.

 

1. es lassen sich eigendynamische Phasen identifizieren

2. diese sind aufeinander bezogen und können weder

              übersprungen noch eliminiert werden.

 

 

 

Um einer Begriffsverwirrung vorzubeugen sei angemerkt, dass die äußerst wichtigen Verlaufsphasen im Stammhaus als Stufen be­zeichnet werden. Die Struktur dieser Verlaufsphasen und ihre konzeptionelle Bezeichnung lässt sich nun so darstellen:

 

 

 

 

A. Medizinischer Entzug 

Er ist die Voraussetzung für die Drogentherapie, denn unter der Abstinenzbedingung lässt sich die Suchtstruktur subjektiv am besten erfahren und dadurch ändern.

B. Phase I - Die Stammhausphase (vollstationär) - max. 9 Monate

Sie stellt den vollstationären Therapieabschnitt im Stammhaus dar. Kennzeichnend dafür sind hohe Betreuungsdichte und anfänglich sehr geringer Außenkontakt, der allmählich zunimmt. In dieser Stammhausphase lassen sich wiederum drei wichtige Entwicklungsphasen, Stufen genannt, unterscheiden. Es sind dies:

 

Stufe 1 - Die Grundstabilisierung (max. 3 Monate)

Nach dem körperlichen Entzug leiden die Klienten unter großer psychischer Labilität mit starken Stimmungs- und Motivationschwankungen, der von Beginn an psychotherapeutisch entgegengewirkt werden muss. Teilweise ist dies durch den sekundären Entzug verursacht, der ein halbes Jahr dauern kann und der seit dem Einsatz von Substitutionsmitteln deutlich ausgeprägter ist.

 

Stufe 2 - Die Identifikation und Tiefung (max. 4 Monate)

Ein Identifikationsprozess mit der Gruppe und der Einrichtung hat eingesetzt, zu diesem Zeitpunkt der effektivste Mechanismus für die Abbruchvermeidung, die Übernahme wichtiger Normen und Therapieziele und die Stärkung der gesamten Therapiemotivation. Identifikationsprozesse treten immer auf, daher muss die Konzeption sie konstruktiv zusammen mit der Gruppendynamik als wesentliche Therapiefaktoren nutzen. Verbunden damit bzw. erst dadurch möglich ist eine Vertiefung des therapeutischen Prozesses, weil die Klienten beginnen, ihre tiefer liegenden psychischen Verletzungen zu offenbaren.

 

Stufe 3 - Die Autonomie und Ablösung (max.2 Monate)

Es beginnt eine Besinnung auf die eigene Individualität, die aber nur in der Beziehung zur Gruppe reifen und erlebt werden kann. Dies wird gefördert durch Einstieg in den Rehabilitationsprozess, Berufseignungstests, ein Arbeitspraktikum und die Vorbereitung des Übergangs in die Adaptionsphase. Das Autonomiebedürfnis darf nicht als Signal einer Selbstständigkeit zur Begründung sofortiger Entlassung werden. Diese würde zu diesem Zeitpunkt zu einer pubertäts- oder adoleszenzähnlichen Verunsicherung der Person und damit zum Rückfall führen.

 

C. Phase II - Die Adaptionsphase (mindestens 6 Monate, davon 1 Monat vollstationäre Betreuung)

 

 
Sie wird in einem Stadthaus mit hoher Platzzahl durchgeführt, um eine große Gruppe mit unterschiedlicher Verweildauer der Mitglieder zu gewährleisten, sie ist gekennzeichnet durch eine zwar wesentlich geringere Betreuungsdichte, aber weiterhin fortgesetzter psychotherapeutischer Einzel- und Gruppentherapie und wird getragen durch das Bezugstherapeutensystem aus der Phase I. Sie dient der Eingewöhnung in Ausbildung und Beruf und der Bewältigung der Abstinenz unter gesellschaftlich realistischen Bezügen. Der erste Monat ist vollstationär, um der problematischen Eingewöhnung gerecht zu werden, denn: Es werden Krisen aktualisiert analog zu jenen der Pubertät und Adoleszenz auf Grund der Ähnlichkeit der psychischen Situation nach Verlassen des Stammhauses mit der nach Verlassen des Elternhauses und der dabei stattfindenden Auseinandersetzung mit existenziellen Zielen, wie Beruf, zukünftige Lebensgestaltung etc. Der Übergang in die Nachsorge wird vorbereitet.

 

 

D. Phase III - Nachsorge und Sekundärprävention (ambulant) - ca. 3 Jahre

Sie ist eine ambulante Maßnahme primär in Form regelmäßiger Gruppenpsychotherapie (14tägige, dreistündige Treffen). Sie sichert die Stabilität, indem sie der gesellschaftlichen und psychischen Isolation abstinenter Drogenabhängiger entgegenwirkt, die wiederum eine Folge der Drogenkarriere darstellt. Außerdem dient sie der Rückfallprävention, der Krisenintervention und dem Aufbau einer drogenfreien Gegenkultur.

 

Die Nachsorgegruppe entspricht in der Praxis einer Gruppentherapie. Die Themen sind Probleme in der Ausbildung und am Arbeitsplatz, Auslöser von Drogengedanken und Drogenverlangen, die Allgegenwart von Drogen jeglicher Art in der Gesellschaft, Konflikte mit Partnern, Eltern und Geschwistern, Schulden, Probleme mit der Finanzierung des Lebensunterhalts, vor allem während der Ausbildungen. Der feste Rhythmus der Treffen erweist sich als sehr stabilisierend, ebenso der damit verbundene Kontakt zu den Therapeuten der Therapeutischen Gemeinschaft. Erst nach Ablauf von zwei bis drei Jahren beginnen Teilnehmer mit der Ablösung, manche bleiben länger - es wird dabei keinerlei Druck ausgeübt. Es zeigt sich, dass die Ablösung dann erfolgt, wenn wesentliche Ziele der Rehabilitation bewältigt worden sind, wie abgeschlossene Lehre oder Umschulung und sich in einen festen Arbeitsplatz eingearbeitet worden ist; oder Abschlüsse vorbereitender Schulen, wie Realschulabschluss oder Abitur sind erreicht und das eigentliche Studium wird gemeistert.

 

Auf Grund der so integrierten Nachsorge ist im Umfeld der Therapeutischen Gemeinschaft Dachtmissen eine drogenfreie Gegenkultur entstanden, in die ein regulärer Beender der stationären Therapie entlassen werden kann. Außerhalb der Nachsorgegruppe ist dadurch ein System drogenfreier Kontakte mit Selbsthilfecharakter gewachsen. Dazu gehören auch die ehemaligen Klienten, die die Nachsorgegruppe sozusagen "regulär" beendet haben, aber immer noch Kontakt zum Therapiebereich halten. Fördernd hierbei sind ein- bis zweimalige Treffen im Jahr aller ehemaliger Klienten im Stammhaus in Dachtmissen. Das Geflecht von Beziehungen, das so entsteht, hat den Vorteil einer großen Auswahlmöglichkeit von Kontakten. Der Einzelne muss nicht immer wieder mit denjenigen zusammenkommen, die er nun schon seit langem, oft seit Therapiebeginn kennt, und die dadurch langweilen oder behindern können.

 

Ein solches Nachsorgekonzept vermeidet den verheerenden Effekt der Isolation, wie sie immer nach einer stationären Maßnahme zu entstehen droht.

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11. Besonderheiten

11.1. Therapie für Abhängige mit Kindern

 

Im Stammhaus gibt es drei Plätze für Kinder und deren Väter oder Mütter. Faktisch handelt es sich dabei um Mütter.

 

 

Es werden Kinder bis 12 Jahre aufgenommen.

    

 
 


In zwei Dritteln der Fälle wird zusammen mit der Mutter auch gleich das Kind aufgenommen. Falls sich jemand erst im Laufe der Therapie zur Zusammenführung mit dem Kind entscheidet, wird zunächst im Rahmen der Psychotherapie die Motivation zu diesem Entschluss überprüft. Dazu gehören Therapieinhalte, wie Schwangerschaft, Geburt, Beziehung zum Vater, Beteiligung des Kindes an der Drogenkarriere der Mutter, belastende Emotionen, wie Schuldgefühle dem Kind und anderen Personen gegenüber etc.. Da dem Kind  häufiger Wechsel möglichst erspart werden soll, die Mutter andererseits später nicht wieder in Gewissenskonflikte geraten darf, muss diese Klärung als Ziel eine definitive Entscheidung für oder gegen eine  Zusammenführung erreichen. Da die Kinder in solchen Fällen häufig bei Pflegefamilien untergebracht sind, wird ein regelmäßiger Besuch der Kinder von der Einrichtung aus ermöglicht, wie dies in der Regel von den zuständigen Jugendämtern verlangt wird. Die Zusammenführung sollte nach getroffener Entscheidung zügig erfolgen, und zwar solange die Klientin sich noch im Stammhaus, der  vollstationären Phase I, befindet. Hier findet die größte Betreuung statt, entsprechend intensiv kann die Mutter bei ihrer Erziehungsarbeit begleitet werden. In der stationären Adaptionsphase (Phase II) im Stadthaus ist die Betreuung geringer und die berufliche  Rehabilitation beansprucht die Mutter zusätzlich.

 

Die Therapiekonzeption setzt für Mütter mit Kindern mehrere Schwerpunkte, die die allgemeine Konzeption erweitern:

 

1. Ziel der Therapie ist die Übernahme von Verantwortung und Sorge für das Kind. Die Aufnahme der Kinder dient nicht der Stabilisierung der Mütter, etwa durch neue Sinngebung etc. und ist kein therapeutisches Hilfsmittel, um eine Drogenfreiheit der Mutter zu erreichen. Es wird den Erziehungspersonen verdeutlicht, dass sie das Kind unterstützen müssen und nicht umgekehrt. Die Entscheidung für das Kind wird als eine moralische Selbstverpflichtung ihm gegenüber angesehen.

 

2. Die Mutter erzieht das Kind, ist die erste Bezugsperson und erhält die dazu erforderliche Unterstützung der Therapeuten und der Gruppe. Da die meisten Mütter anfangs dazu nicht in der Lage sind, gibt es spezielle Gruppen für die Mütter und regelmäßige Gespräche mit der Gruppe über Erziehungsprobleme.

 

3. Die Kinder werden tagsüber zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr extern betreut. Die Morgen- und Abendbetreuung erfolgt durch die Mütter. Die externe Betreuung soll eine 'Ghettoerziehung' vermeiden, d.h. während der Tagesbetreuung sollen die Kinder mit anderen Kindern aus 'normalen' Verhältnissen Kontakt haben. Entsprechend ihres Alters kommen die Kinder in einen Kindergarten, einen Schulkindergarten, Schule oder zur Tagesmutter, teilweise beides. Dazu steht seit acht Jahren eine Tagesmutter der Einrichtung zur Verfügung, die auch andere Kinder betreut. Zur Tagesmutter besteht regelmäßiger Kontakt, um Verhaltensauffälligkeiten und den Entwicklungsstand genau erfassen zu können. Dies gilt auch den anderen Institutionen gegenüber.

 

4. Die therapeutische Entwicklung der Mütter darf nicht behindert werden, denn nur die stabilisierte und drogenfrei lebende Erziehungsperson kann in dieser Konstellation eine kindgerechte Erziehung ermöglichen, daher die externe Betreuung. Bei Krisen oder sonstigen Belastungen wird die Betreuung von anderen Gruppenmitgliedern übernommen.

 

5. Auch für Mütter gilt das Therapieziel der beruflichen Rehabilitation, um der Mutter eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen.

 

 

 
6. Für die medizinische Betreuung ist der Facharzt der Einrichtung zuständig, er hält auch Kontakt zur regelmäßig konsultierten Kinderärztin.

 

7. Auch bei den Kindern wird mit psychischen Störungen gerechnet, die sich im Zusammenhang mit der Sucht ausgebildet haben. Dazu gehören Aggressivität, Hyperaktivität, Kontrollverhalten der Mutter gegenüber, körperliche Defizite etc. Erfahrungsgemäß werden diese Auffälligkeiten im Laufe der mehrjährigen Therapie ausgeglichen. Bei besonderen Schwierigkeiten werden Kindertherapeuten mit speziellen Therapieaufgaben beauftragt.

 

 

11.2. Gruppenzusammensetzung

 

Das Konzept basiert auf einer gemischten Gruppe von Männern und Frauen, weil viele suchtrelevante Schwierigkeiten mit Beziehungsproblemen zusammenhängen. Darüber hinaus wird eine Verschiedenartigkeit der Gruppenmitglieder - Alter, Symptomatik, Stabilität, etc. - als therapiefördernd betrachtet. Entgegen landläufiger Meinung lässt sich keinesfalls eine höhere Abbruchquote bei Frauen feststellen, eher umgekehrt, weil auf frauenspezifische Problematiken auch im Rahmen einer gemischten Gruppe durch besondere Maßnahmen eingegangen wird.

 

 

11.3. Rückfälle - Rückfallgruppe

 

Klienten, die nach dem Verlassen des Stadthauses rückfällig werden und Klienten, die abbrechen und rückfällig werden, können in der Regel wieder aufgenommen werden. Die erforderliche erneute Therapie gestaltet sich dann kürzer.

 

Bei Rückfällen in den Räumen des Stamm- oder Stadthauses oder Rückkehr in  das Stamm- oder Stadthaus unter Drogen wird eine erneute Aufnahme grundsätzlich abgelehnt, um der Gefahr des "Therapieurlaubs" zu begegnen. Für wieder aufgenommene Rückfällige besteht eine wöchentliche Rückfälligengruppe, da eine Bearbeitung eines Rückfalls in den üblichen Therapiegruppen wegen  zu großer (auch berechtigter) Intoleranz anderer Gruppenmitglieder nicht möglich ist.  

 

 

11.4. Migranten

 

Konzeptionelle Besonderheiten in der Therapie für Spätaussiedler aus den  GUS – Staaten.

 

    

 
Spätaussiedler aus den GUS – Staaten stellen eine Sondergruppe von  Migranten dar. Sie haben einerseits schon in ihren Herkunftsländern einer Minderheit angehört und sind keine Vertreter deren Kultur. Andererseits gehören sie in der Bundesrepublik ebenfalls einer Minderheit an, die zwar aus anderen Ländern stammt, deren Angehörige aber keinesfalls dorthin wieder zurückwollen oder können bzw. eine Rückkehr in die Herkunftsländer für die meisten von ihnen keine ernsthafte Option oder Alternative zum Leben in Deutschland darstellt. Das Pflegen der Kultur des Ursprunglandes und die Vorbereitung einer Entscheidung, ob zurückgekehrt wird oder nicht, als wichtige, damit therapeutisch zu beachtende Lebensfragen, wie sie andere Migrantengruppen kennzeichnen, entfällt bei dieser Gruppe mehr oder weniger. Juristisch wird diese persönliche Lage auch durch den Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft und Verlust der alten entsprechend gewichtet. Historisch gesehen war in den Herkunftsländern neben der deutschen Abstammung vor allem die Zugehörigkeit zur (meist protestantischen) Religion das identitätsstiftende Element dieser Bevölkerungsgruppe, wobei dies eher auf die Eltern der Klienten zutrifft, als auf die Klienten selbst. Aufgrund ihres geringeren Lebensalters haben nämlich sie die Kultur ihres Herkunftslandes oft mehr verinnerlicht als die Eltern selbst.

 

Ein anderer wesentlicher Gesichtspunkt zeigt sich in der Frage, ob gerade die Übersiedlung und ein damit verbundener Kulturschock eine wichtige Ursache der Drogensucht darstellen. In der TG Dachtmissen wird dies nicht so gesehen; die Übersiedlung begünstigt nur mittelbar eine Entstehung der Drogensucht. Denn bei dieser Klientengruppe gelten die selben Grundannahmen über das Entstehen der Drogensucht wie bei einheimischen Klienten: Es bestehen psychisch schädigende Sozialisationsbedingungen (zerrüttete Familien, Scheidung, Tod wichtiger Personen, Alkoholismus etc.), die aus den Heranwachsenden Familienflüchtlinge werden lässt. Die Jugendlichen schließen sich Randgruppen an, die Drogengebrauch propagieren, und zwar auch schon in den Herkunftsländern. Wird dann übergesiedelt, bleibt nur noch die Randgruppe der als „Russlanddeutsche“ (geographisch falsch) bezeichneten, übrig, weil eben die Sprachbarriere wenig andere Anbindungen ermöglicht. Fatalerweise wird dort aber der Konsum harter Drogen propagiert, die oft in völliger Unkenntnis des Abhängigkeitspotentials ausprobiert werden. Daher ist eine weitere, besonders hervorzuhebende Besonderheit dieser Klientengruppe, die starke Gettobildung in Verbindung mit einer extrem hohen Verbreitung von harten Drogen.

 

Für die Therapie in der Therapeutischen Gemeinschaft Dachtmissen sind die zu ziehenden Schlussfolgerungen so radikal wie einfach: eine zweifache Orientierung an der Kultur des Herkunftslandes und derjenigen der Bundesrepublik Deutschland ist nicht notwendig, da eine Rückkehr ausgeschlossen werden kann, zumal kaum noch familiäre Bindungen dorthin bestehen. Die besondere Pflege von Zweisprachlichkeit sowie zeitweise Rückkehr, vergleichbar einer Heimfahrt deutscher Klienten, ist ebenfalls therapeutisch nicht notwendig. Um so wichtiger ist die konsequente Eingliederung in die deutsche Gesellschaft, um eine Abkehr von der stark suchtbegünstigenden Subkultur oder dem Getto „russlanddeutscher“ junger Einwanderer zu erreichen. Gelingt dies nicht, so besteht ein hohes Maß an Rückfallgefährdung, wenn sich dieser Randgruppe wieder zugewandt wird. Somit ist das Beherrschen der deutschen Sprache der Königsweg der Integration und der Rückfallverhütung nach Abschluss der stationären Therapie. Im therapeutischen Alltag sollte nur deutsch gesprochen werden und diese Klientengruppe wird eindringlich gebeten, auch untereinander auf den Gebrauch der russischen Sprache zu verzichten. Weiterhin benötigen diese Klienten systematischen, fortwährenden Sprachunterricht. Je besser die Sprache erlernt wird, desto leichter gelingt eine Integration in die deutsche Gesellschaft bei gleichzeitiger Lösung von der speziellen Randgruppe jugendlicher oder adoleszenter Einwanderer aus den GUS-Staaten. Gute Sprachkenntnisse stellen aber auch eine Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Rehabilitation  bzw. schulische und berufliche Ausbildung dar. Ausbildung und Beruf sind wiederum ein Integrationsfaktor ersten Ranges, weil hier der Kontakt mit Einheimischen leicht fällt und sich auch damit zur ursprünglichen Bezugsgruppe besser abgegrenzt werden kann. In den Herkunftsländern wurde meist kein großer Wert auf solide Ausbildungen gelegt, weil rasches Geldverdienen, egal wie, viel wichtiger war. Unter diesen Klienten ist eine derartige Haltung auch noch in Deutschland weit verbreitet.

 

Insgesamt benötigen diese Klienten wegen ihres Sprachproblems eine längere stationäre Therapiezeit und den Einsatz von Fachkräften für Sprachunterricht. Andere Fachkräfte oder Massnahmen sind nicht notwendig.

 

 

 

 

12. Therapieergebnisse 1997 bis 1999 der Therapeutischen Gemeinschaft Dachtmissen des Jugendhilfe e.V.

 

12.1 Vorbemerkung

 

Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit des hier vorgestellten Konzeptes soll vor allem in bezug auf Bindungsfähigkeit der Einrichtung und erreichten Stabilitätsgrad der regulär entlassenen Klienten erfolgen. Zuallererst wird die Abbruchquote (es wird oft der komplementäre Begriff der Haltequote verwandt) untersucht, da der Therapieerfolg nur im Zusammenhang mit ihr diskutiert werden kann. Je höher nämlich die Abbruchquote, desto wahrscheinlicher liegt dann bei gutem Therapieerfolg eine Filterwirkung der Therapie vor, was bedeutet, die Therapie entwickelt vor allem eine Fähigkeit, besonders solche  Klienten zu binden, die möglicherweise auch ohne Therapie ihre Sucht überwunden hätten. Soll dieser Verdacht empirisch entkräftet werden, so stößt man auf eine grundlegende Schwierigkeit: Das Fehlen von Kontroll-, oder wenigstens Vergleichsgruppen. Ob eine Therapie überzufällig Klienten erfolgreich behandelt, kann nur über den Vergleich mit Nichtbehandelten oder Absolventen anderer Einrichtungen empirisch belegt werden. Der Vergleich mit einer Kontrollgruppe ist aus ethischen Gründen nicht zu leisten, denn man kann Drogenabhängigen keine Therapie vorenthalten, nur um sie einer Kontrollgruppe zuzuschlagen und sie dann mit den glücklichen Teilnehmern einer Therapie zu verschiedenen Zeitpunkten zu vergleichen; während die einen also noch jahrelang weiterkonsumieren müssen, wird den anderen therapeutische Hilfe zuteil. Die Alternative zur Kontrollgruppenuntersuchung ist ein Versuchsplan mit Vergleichsgruppen; das wäre dann der Vergleich von Absolventen verschiedener Einrichtungen, wobei man sicherstellen müsste, daß die Entsendung in die Einrichtungen absolut zufällig wäre oder die Zuweisung zu Einrichtungen so gesteuert würde, dass sich in jeder Einrichtung in bezug auf wichtige Merkmale „ähnliche“ Klienten befänden. Allein diese Anforderung bedeutet einen riesigen Aufwand, der nur durch ein großes Forschungsprojekt zu leisten ist. Dazu fehlen einerseits  finanzielle Mittel und andererseits Initiativen von Verbänden und Politik, aber auch Bereitschaft und Einsicht seitens der Einrichtungen; auf diese Problematik wird noch eingegangen. Trotzdem soll hier versucht werden, wenigstens eine Einschätzung des Therapieerfolges zu geben, indem transparent gemacht wird, wie bestimmte Beurteilungen zustande kommen.

 

12.2. Bindungsfähigkeit der Einrichtung - Abbruchquote

 

    

 
Das Problem bei der Erstellung einer Statistik ist hierbei: Es gibt außer den „gewöhnlichen“ Abbrechern Sofortabbrecher (zwei Tage Aufenthalt beispielsweise), Abbrecher, die wiederkommen und dann regulär beenden und relegierte Klienten. Außerdem ist die Beschränkung der Erhebung auf den nur vollstationären Therapieteil von 10 Monaten falsch, weil dieses hier vorgestellte Konzept eine reguläre, lange Nachsorge für unverzichtbar hält und nur die Teilnahme an ihr Therapieerfolg zeigen kann. Damit wird aber das Problem der Ablösung tangiert, denn ein Ausstieg aus der Nachsorgegruppe der Phase III kann sowohl eine sinnvolle Ablösung wie auch einen Therapieabbruch darstellen. Eine alleinige Berücksichtigung der 10-monatigen Therapiezeit ist auch deshalb in bezug auf die Bindefähigkeit der Therapie wenig aussagekräftig, weil hier noch oft ein justizieller Druck vorliegt und eine Bescheinigung über Teilnahme an der vollstationären Therapie bei manchen Gerichten den Eindruck einer erfolgreich beendeten Therapie erweckt. Daher zeigt erst die Teilnahme an der Nachsorge, die freiwillig ist und auf Einsicht gründet, inwieweit die Einrichtung mit ihrem Konzept bindet. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, wurde mit einem Stichtag gearbeitet, der über anderthalb Jahre nach Ende der vollstationären Therapie liegt. Alle Klienten, die zwischen dem 1.1.1997 und dem 31.12.1999 aufgenommen wurden, sind am 1.6.2002  beurteilt worden. Die Abbruchquote bezieht sich zwar auf die regulären 10 Monate (in einigen Fällen auch 12 Monate bei Verlängerung), aber in die Einschätzung der erreichten Stabilität am Stichtag über 18 Monate danach geht dann die weitere Entwicklung mit ein, wobei auch die Teilnahme an der Nachsorge erhoben wurde.

 

Zwischen dem 1.1.1997 und dem 31.12.1999 sind 104 Klienten aufgenommen worden. Davon:

 

beenden    38,5%          (40)     die Therapie regulär
beenden      7,7%          (  8)     die Therapie nach Abbruch und

                                                    erneuter Aufnahme regulär

 

wurden      11,5%          (12)     relegiert

brechen     42,3%          (44)     die Therapie ab. Sofortabbrecher,

                                                    das sind Klienten, die unter vier

                                                    zehn Tage blieben, wurden nicht

                                                    gezählt.

Für die Gesamtbeurteilung der Bindefähigkeit der Einrichtung soll gelten:

 

46,2% der aufgenommen Klienten beenden den vollstationären 10-monatigen Therapieabschnitt.

 

42,3% brechen den vollstationären Therapieabschnitt ab und werden auch nicht wieder aufgenommen bzw. brechen nach erneuter Aufnahme wieder ab. Relegierte Klienten sollen bei der Abbruchquote nicht berücksichtigt werden.

 

 

 

 

12.3. Therapieerfolg

 

 

 

 

 
Methodische Probleme bei der Beurteilung des Therapieerfolges ergeben sich aus der Notwendigkeit von Urinkontrollen, mehreren Kontrollzeitpunkten und den erwähnten Vergleichsgruppen. Dieses ist aufwendig und kostspielig, müsste daher im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung stattfinden, wozu der hier vorgestellten Einrichtung die Mittel fehlen. Allerdings war in dieser Hinsicht schon ein Versuch unternommen worden; so sollten im Rahmen einer Diplomarbeit die Entwicklung von Klienten der Nachsorge über zwei Jahre hinweg untersucht werden, wobei an drei verschiedenen Zeitpunkten Urinkontrollen abgenommen werden sollten. Leider sahen sich weder die begleitende Fachhochschule noch der Kostenträger in der Lage, die Kosten zu übernehmen. Aufgrund des nicht zu leistenden Aufwandes wurde daher versucht, die Stabilität der Klienten von den therapeutischen Mitarbeitern an einem Stichtag einzuschätzen, nämlich dem erwähnten 1.6.2002. Dies ist zwar wissenschaftlich ungenügend, wird aber dem völligen Verzicht auf eine statistische Auswertung vorgezogen.   

 

 

Verwandt wurden die schon bekannten Kategorien:

 

Kategorie „stabil“: Die Personen dieser Gruppe leben weitestgehend abstinent in bezug auf legale und illegale Drogen, keine Symptomverschiebung auch nur im Ansatz, Ausbildung und Beruf werden überzeugt angegangen.

 

Kategorie labil: Regelmäßiger Konsum legaler Drogen, Konsum persönlicher Einstiegsdrogen, Symptomverschiebung, Episoden mit der Hauptdroge, jedoch keine Abhängigkeit davon. Ausbildung und Beruf werden nur inkonsequent angegangen, langfristige Entwicklung in die erneute Abhängigkeit von der Hauptdroge wahrscheinlich.

 

Kategorie R wie Rückfällig: Allmähliche Aufnahme des alten Konsumverhaltens und erneute psychische und körperliche Abhängigkeit, Ausbildung und Beruf werden aufgegeben.

 

 

Was die Beurteilung relativ einfach, aber auch verlässlich macht, ist die Tatsache, dass stabile Klienten im Sinne der obigen Kategorie sowohl zu Therapeuten wie auch untereinander Kontakt halten, obwohl sie nicht mehr an der Nachsorge teilnehmen. Der erste Schritt in Richtung Labilität und Rückfall beginnt immer mit Abbruch der Beziehungen zum drogenfreien Milieu und daher bedeutet vorzeitiger Ausstieg aus der Nachsorge und Abbruch konstruktiver Beziehungen, Labilisierung durch Konsum weicher Drogen oder Beginn eines dauerhaften Rückfalls. Daher lassen sich Klienten, auf die die Kategorie „labil“ zutrifft, leicht feststellen, weil sie sich offen zum Abbruch der Beziehungen zu stabilen Klienten bekennen, dies meist durch öffentlichen Konsum von Alkohol demonstrieren und sich für die Ungefährlichkeit von weichen Drogen stark machen. Bei rückfälligen Klienten ist die Beurteilung noch einfacher, da sie dies meist im Zusammenhang mit Fragen danach zugeben. In der Regel gibt es Anzeichen für einen drohenden oder stattgefundenen Rückfall, wie schon geschildert wurde; das aktiviert oft Klienten und Therapeuten, es kommt zu Kontakten, bei denen offen weitere Hilfe abgelehnt und sich zum erneuten Drogengebrauch bekannt wird. Der Verzicht auf Urinkontollen ist bei der Kategorie „stabil“ sicher problematischer als bei den anderen beiden, denn natürlich besteht hier immer die Möglichkeit der Täuschung (Drogenabhängige haben das gelernt) und deshalb hat die Forderung nach Urinkontrollen gerade hier ihre Berechtigung. Allerdings kann über einen längeren Zeitraum Drogenkonsum nicht vor ehemaligen Klienten verheimlicht werden, weil die  betreffende Person sich zu ändern beginnt, was im Umfeld immer wahrgenommen wird. Aufgrund der Dichte des sozialen Netzes nach der Therapie, wie sie hier dargestellt wurde, werden Änderungen des Verhaltens sehr schnell bemerkt, vor allem von „Fachleuten“, wie es ehemalige Drogenabhängige in bezug auf Drogenkonsum sind. Daher dürfte die Fehlerquote bei der Zuordnung zur Kategorie „stabil“ auch ohne den Einsatz von Urinkontrollen gering sein.

 

 

 

 
 


Die regulären Beender des 10monatigen stationären Therapieabschnittes (also 46,2% der aufgenommenen Klienten, siehe oben) wurden zum Stichtag 1.6.2002 folgendermaßen eingestuft:

 

 

70%     (33)     sind stabil 

11%     (  5)     labil

19%     (  9)     rückfällig

 

 

    

 
Von den stabilen Klienten haben 9,1% (3) die Nachsorge vorzeitig beendet, 6,1% (2) haben die Nachsorge regulär abgeschlossen. Die anderen stabilen Klienten verteilen sich folgendermaßen auf die Nachsorgeangebote:

 

 

39,4% (13)     nehmen an der vierzehntägigen Nachsorgegruppe teil

21,2% (  7)     an der vierwöchigen Nachsorgegruppe

24,2% (  8)     sind in der Phase IV, also ca. 6-malige, informelle Treffen

pro Jahr

 

 

 

 

 

 
12.4. Stand der beruflichen Rehabilitation

 

Zur Beurteilung der beruflichen Rehabilitation wurden mehrere Kategorien angewandt, wobei die schon durchgeführten Rehamaßnahmen zum Zeitpunkt des Stichtages nicht extra aufgeführt werden. Wenn man alle regulären Beender einschätzt, d.h. sowohl die Stabilen wie auch die Labilen und Rückfälligen (N=47), so ergibt sich folgende Verteilung:

           

  Kategorie  A:  abgeschlossene berufliche Reha –

das sind unbefristete, feste Arbeitsverhältnisse                              34,0%

 

Kategorie B:  abschließende Rehamaßnahmen –

der Abschluss der Maßnahmen berechtigt zur

Berufausübung, wie Ausbildungen,

Umschulungen oder Studium etc.                                                   29,8%

 

Kategorie C: fortführende Maßnahmen –

Zur Berufsausübung sind noch weitere, Maßnahmen nötig, wie

Schulen aller Art, aber auch Beschäftigung nach § 19 BSHG,

wodurch Ansprüche beim Arbeitsamt auf eine Umschulung

erworben werden, Immaturenkurs etc.                                            8,5%

 

Kategorie D: Gelgenheitsarbeit, Zeitarbeit etc.                              6,4%

 

Kategorie E: abgebrochene Maßnahmen                                      6,4%

 

Kategorie F: unbekannt – keine Informationen über

die entsprechende Person vorhanden                                             12,8%

 

Kategorie G: sonstiges – Hausfrau                                                    2,1%

Betrachtet man nur die Stabilen (N= 33), dann ergibt sich eine andere Verteilung:

 

 

Kategorie  A:  abgeschlossene berufliche Reha –                                                36,4 %

das sind unbefristete, feste Arbeitsverhältnisse

 

Kategorie B:  abschließende Rehamaßnahmen –                                                39,4 %

der Abschluss der Maßnahmen berechtigt zur

Berufausübung, wie Ausbildungen,

Umschulungen oder Studium etc.

 

Kategorie C:  nichtabschließende Maßnahmen –                                      12,1 %

zur Berufausübung sind noch weitere,

fortführende Maßnahmen nötig, wie Schulen

aller Art, aber auch Beschäftigung nach § 19 BSHG,

wodurch Ansprüche beim Arbeitsamt auf eine

Umschulung erworben werden, Immaturenkurs etc.

 

Kategorie D: Gelegenheitsarbeit, Zeitarbeit etc.                                        9,1 %

 

Kategorie E: abgebrochene Maßnahmen                                                  0,0 %

 

Kategorie F: unbekannt – keine Informationen                                           0,0 %

über die entsprechende Person vorhanden.

 

Kategorie G: sonstiges – Hausfrau                                                            3,0 %

 

 

 

 

 

 

Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Therapie sollte die letzte Verteilung maßgeblich sein. Daraus geht hervor, dass zu einem Zeitpunkt, der mindestens zweieinhalb Jahre nach  Aufnahme in die stationäre Therapie liegt,

 

                                                 87,9 % 

 

der stabilen Klienten ihre berufliche Rehabilitation erfolgreich abgeschlossen haben oder sich in einer Rehamaßnahme befinden.

 

 

12.5. Erhebungen der TG Dachtmissen zu Hepatitis C

 

Zu Beginn der Therapie sind von den 48 Therapiebeendern 38 % (18)

mit Hepatitis C infiziert:

30

nicht   infiziert

 

18 infiziert

 
 


Die Daten beruhen auf der medizinischen Eingangsuntersuchung.

 

 

 

Zum Zeitpunkt des Stichtages (1.6.02) konnten nicht alle Klienten befragt werden, da einige die Nachsorge abgebrochen haben oder rückfällig wurden. Die  18  erreichten Klienten geben aufgrund der medizinischen Befunde, die von einem Internisten stammen, der alle Klienten der Einrichtung in bezug auf Hepatitis C betreut, folgendes an:

 

 

1          verschlechtert



 
 


6          gleichgeblieben

 

 

 
 


9          erheblich gebessert  

 


1          erheblich verbessert mit Interferon

 



 
1          virenfrei

 

18

 

Obwohl bei dieser Stichprobengröße Prozentangaben nur vorsichtig interpretierbar sind, fällt die hohe Anzahl der Klienten auf, deren Zustand sich erheblich  bis zur Virenfreiheit gebessert hat:

 

61,1 %  (11)       insgesamt erheblich gebessert

 

30,0 %  ( 6)        Keine Verschlechterung.

 

 

 

 

12.6.  Methadonvorerfahrung

 

Im Juli des Jahres 2003 wurden alle in Therapie befindlichen und stabilen Therapiebeender in bezug auf ihre Methadonerfahrung gefragt. Erreicht werden konnten 84 Personen, wovon sich 25% noch in der stationären Therapie befanden. Der verwandte Fragebogen umfaßte 14 Fragen. Ihre Auswertung ergab:

 

Von den 84 Klienten haben sich Methadon

65,5%  (55) über einen Zeitraum von 3 Jahren und 1 Monat zugeführt.

 

Davon haben 8 Personen weniger als 1 Monat, 10 Personen jedoch 6 und mehr Jahre Methadon konsumiert (3 Pers. 6 J., 1 Pers. 7 J., 4 Pers. 8 J., 2 Pers. 11J.)

Teilnahme an einem offiziellem Methadonprogramm:

89,09% (49) der 55  Methadonkonsumenten

Durchschnittliche Teilnahmedauer:

2 Jahre und 9 Monate

            Verschreibung durch einen niedergelassenen Arzt :

82,82% (45) für die Dauer von 3 Jahren und 1 Monat

Illegaler Erwerb von Methadon oder Polamidon auf der Szene:

69,09% (38)

Dauer:  2 Jahre 9  Monate

Kokainkonsum neben der Methadoneinnahme:

72,73% (40) haben  Kokain als Beigebrauch über einen Zeitraum von

3 Jahren und 1 Monat

Steigerung des Kokainkonsums:

58,18 %  (32)    der Methadoneinnehmer

Der Anteil Klienten, die neben der Methadoneinnahme andere Drogen konsumierten, beträgt:

94,55 % (52) Zeitraum: 3 Jahre  2 Monate

            Art des Beikonsums:

 

Heroin                                                            80,77%  (42)

 

Synthetische Drogen/            Psychopharmaka       76,92 %  (40)

 

Kokain                                                            73,77 %  (38)

 

Haschisch                                                                61, 53 %  (32)

 

Alkohol                                                           51,92 %  (27)

 

THC                                                               26,92 %  (14)

 

Crack                                                             15,39 %   (8)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

16. Einrichtungsdaten

16.1. Die Therapeutische Gemeinschaft Dachtmissen

 

Die Therapeutische Gemeinschaft Dachtmissen liegt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Lüneburg. Lüneburg ist für die Klienten mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Das Haus wurde 1994/1995 total renoviert. Neben neuen Klientenzimmern wurden auch ein neuer Therapieraum und andere Funktionsräume zusätzlich geschaffen.

 

Die Therapeutische Gemeinschaft hat 22 stationäre Plätze, davon 16 Plätze im Stammhaus (Phase I) und 6 Plätze im Stadthaus (Phase II Erprobungs-/Adaptionsphase). Außerdem werden im Stadthaus 18 Wohnplätze für Nachsorgeklienten (Phase III) vorgehalten. Alle Klienten haben Doppel- oder Einzelzimmer.

 

16.2. Mitarbeiter

 

Es handelt sich hier um die reale Stellenbesetzung, wobei die Zusatzausbildung einen entscheidenden Faktor bei der Mitarbeiterauswahl darstellt:

 

8 Mitarbeiter, davon:

 

6 Therapeuten, das bedeutet Mitarbeiter mit abgeschlossener gestalttherapeutischer Zusatzausbildung

 

zusammengesetzt aus den Berufsgruppen:

 

1 Diplompsychologe und Psychologischer Psychotherapeut (Einrichtungsleiter)

1 Arzt für Neurologie und Psychiatrie (15 Wochenstunden)

2 Dipl. Sozialarbeiterinnen/Sozialpädagoginnen, gleichzeitig Exuserinnen

1 Sozialarbeiter und Kinder– und Jugendlichentherapeut/Psychotherapeut    (HPG)

1 Sozialtherapeut/Psychotherapeut (HPG)/Gestalttherapeut

1 Krankenschwester/Fachschwester für Psychiatrie/Gestalttherapeutin/Ausbildung in Ohrakupunktur

1 Diplomsozialpädagoge für die berufliche Rehabilitation, Ausbildung in Ohrakupunktur und Schuldnerberatung

 

Der Leiter, der Arzt und die stellvertretende Leiterin bilden das Leitungsteam

 

zusätzlich:

 

1 Handwerker als Arbeitstherapeut und Hausmeister

1 Externe Tagesmutter

1 LehrerIn, stundenweise nach Bedarf

z. T. BSHG § 19-Hilfskräfte

 

 

Aufgrund der häufig mitauftretenden psychosomatischen Symptomatik bei den Klienten kommt dem Arzt bei der Gestaltung der Therapie eine wesentliche Rolle zu. Andererseits zeigt sich immer wieder, dass gerade die intensive Psychotherapie die Heilung vieler somatischer Leiden eindeutig beschleunigt bzw. oft erst ermöglicht. Das gilt vor allem bei langwierigen offenen Wunden aufgrund von Abszessen, bei der Behandlung der Hepatitis C mit Interferon ab Adaptionsphase und bei Rekonvaleszens von Krebsbehandlungen. Hier werden immer wieder erstaunliche Genesungsprozesse beobachtet.

 

 

16.3. Schuldenberatung

 

Die langfristige Tilgung der Schulden ist eine Notwendigkeit für eine erfolgreiche Rehabilitation und die damit verbundene Stabilität. Der Sozialpädagoge für die berufliche Rehabilitation hat eine Zusatzqualifikation in Schuldnerberatung des FDR.

 

Die Verwaltungsarbeit erfolgt zentral durch den Einrichtungsträger, den Jugendhilfe e.V. Lüneburg.

 

16.4. Leistungsträger

 

Hauptleistungsträger ist die LVA Hannover.

Weitere Leistungsträger sind Landesversicherungsanstalten, Krankenkassen und Landessozialämter.

 

Mit den Krankenkassen besteht ein Versorgungsvertrag nach § 111 SGB V.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literaturverzeichnis

 

Böning, J. (1994). Warum muss es ein Suchtgedächtnis geben? Sucht, 40, 244-252.

 

Sieber, M. (1993). Drogenkonsum: Einstieg und Konsequenzen. Bern: Huber.

 

Spannagel, R. (2001). Gibt es ein Drogen- und Suchtgedächtnis? Hinweise aus tierexperimentellen Untersuchung. Sucht, 47, 365-367.

 

Tretter, F. Anmerkungen zum Konstrukt des »Suchtgedächtnis«. Sucht, 46, 276-280.

 

Wolffgramm, J. (1995). Abhängigkeitsentwicklung im Tiermodell. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 24, 107-117.

 

 

      28

 
 



 

 


 


 

 

 

 

 

 


Träger:

 

 

 

 

Jugendhilfe e.V. Lüneburg

 

Verein für soziale Arbeit und

therapeutische Einrichtungen

 

Dahlenburger Landstraße 150

21337 Lüneburg

Tel. (04131) 8561 - 0, Fax 85 61 - 20

Email: info@jugendhilfe-lueneburg.de

www.jugendhilfe-lueneburg.de

 

Therapeutische Gemeinschaft Dachtmissen
Dorfstraße 10

21391 Reppenstedt

Tel. (04135) 8220 – 11, Fax 8220-13

Email: dachtmissen@jugendhilfe-lueneburg.de

 

Text: Elmar Geiger, Dipl.-Psych.

Psychologischer Psychotherapeut

Email: Elmar.Geiger@t-online.de

http://home.t-online.de/home/Elmar.Geiger.de

 

V.i.S.d.P.: U. Thomsen

(Stand 06/2002)

 

(Die ausführliche Darstellung der Therapie in der Therapeutischen Gemeinschaft Dachtmissen ist über den Jugendhilfe e.V. zu beziehen)



*) Um den Sprachstil einfach zu halten, wird in der Regel das männliche grammatische Geschlecht benutzt.